Kühlwasser versickert
Lage in Fukushima deutlich ernster als erwartet

Der Kühlwasserstand im Reaktor Fukushima I ist deutlich niedriger als angenommen. Datenauswertungen legen nahe, dass die Brennstäbe stark geschmolzen sind. Greenpeace warnt vor einer rapiden Eskalation.
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TokioNoch mehr schlechte Nachrichten aus der Atomruine Fukushima: Die Brennstäbe in Reaktor 1 sind wahrscheinlich stärker geschmolzen als bislang befürchtet. Darauf deutet der niedrige Kühlwasserstand hin, der intakte Brennstäbe an ihrer ursprünglichen Position gar nicht mehr erreichen würde. Das Kühlwasser sei erheblich geringer als gedacht, gab der Betreiber Tepco am Donnerstag nach Auswertung neuer Daten bekannt.

„Die Situation ist eindeutig viel ernster als zuvor berichtet“, urteilte die Umweltorganisation Greenpeace. Die Lage könne „rapide eskalieren“, sollte der Kernbrennstoff den Reaktorkessel durchschmelzen. Tepco versicherte jedoch, dass dank zusätzlicher Wasserzufuhr derzeit keine Überhitzung des wahrscheinlich geschmolzenen Brennstoffs drohe. Die Temperatur des Druckkessels sei mit 100 bis 120 Grad relativ niedrig.

Der Wasserstand liege allerdings mehr als fünf Meter unterhalb des Punkts, wo sich normalerweise die Spitze der vier Meter langen Brennstäbe befinde, teilte Tepco mit. Reparaturtrupps hatten zuvor Geräte zur Messung des Wasserstandes neu eingestellt. Tepco hatte bereits früher geschätzt, dass 55 Prozent des Reaktorkerns im Reaktor Nummer 1 beschädigt sind. Der Betreiber weiß jedoch nicht genau, bis zu welchem Grad die Brennstäbe geschmolzen und auf den Boden des Kessels gesunken sind.

Tepco will die Betonhülle des Reaktordruckbehälters mit Wasser fluten und ein System zur stabilen Kühlung des Kernbrennstoffs installieren. Die Auswertung der jüngsten Daten deutet jedoch darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil des bisher in den Reaktorkern eingeleiteten Wassers in andere Reaktorteile ausgelaufen ist.

Experten hatten bereits zuvor vor Undichtigkeiten in Reaktor 1 gewarnt. Tepco sei es bisher nicht gelungen, die Position der Lecks zu orten und zu klären, ob sie die Sicherheit des Betonmantels beeinträchtigen, kritisierte Greenpeace. In einer Studie habe auch die amerikanische Atomaufsicht vor Gefahren gewarnt, die durch große Wassermassen in den Sicherheitsbehältern entstehen. Die Behälter könnten bersten, wenn es zu Erderschütterungen kommt. Tepco will den Plan zur Flutung der Betonhülle nun überarbeiten.

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