„Kultur des Rasierens“
Bart ist nicht gleich Bart

Bart ist nicht gleich Bart. Männer tragen ihn als Schnurrbart, Spitzbart, Vollbart, Kaiser-Wilhelm-Bart oder Dreitagebart. Die Ausstellung „Die Kultur des Rasierens“ im Westerbach Center in Kronberg im Taunus zeigt von diesen Freitag an die Entwicklung vom einfachen Steinschaber zum High-Tech-Rasierer.

HB KRONBERG. In verschiedenen Epochen war er ein Zeichen von Macht und Männlichkeit, der Bart verriet auf den ersten Blick den sozialen Status seines Trägers. Entsprechend viel Mühe geben sich die Männer seit Jahrtausenden bei der Pflege. Der Bart wird gedreht, gefärbt, geflochten, in Form geschnitten – oder wegrasiert.

Ein Mann verbringe im Laufe seines Lebens etwa 3350 Stunden mit dem Rasieren von fast 840 Metern Barthaaren, sagt Sven Wuttig von Braun, der die Schau zusammengestellt hat. Die Rasur – ob nass oder trocken – ist längst für die meisten Männer allmorgendliche Routine. „So einfach und bequem war das aber nicht immer“, sagt Wuttig. In der Antike entfernten sich die Menschen noch mit Hilfe von Steinen und Muscheln die Haare. Das älteste Stück der Ausstellung ist ein Steinschaber aus dem Jahr 3000 vor Christus, doch schon Höhlenmalereien um 20 000 vor Christus zeigten Männer ohne Bart.

Über den Bartwuchs hätten sich offenbar schon sehr früh sehr viele Männer geärgert, sagt Claus Cobarg, der 1957 bei dem Unternehmen Braun angefangen hat und es bis heute berät. Bei den Ägyptern waren ein glatt rasiertes Gesicht und ein möglichst haarloser Körper ein Statussymbol - nur der Pharao trug als Zeichen seiner Macht einen prächtig geschmückten Bart. Im alten Rom boten seit Mitte des 5. Jahrhunderts Barbiere ihre Dienste an.

„Im Zeitalter der Industrialisierung haben sich Erfinder Gedanken gemacht, wie man das Rasieren effektiver machen kann“, sagt Wuttig. In der Ausstellung zeigen sechs Modelle so genannte Rasierkarusselle aus dem 18. Jahrhundert. Die Idee dabei sei gewesen, mehrere Männer beim Barbier mit dampfbetriebenen Maschinen gleichzeitig zu rasieren. „Die Erfindungen wurden aber so nie realisiert.“

Ein Durchbruch für die sichere Nassrasur zu Hause sei die Erfindung der Doppelklinge von King Camp Gillette gewesen, berichtet Cobarg. „Mit dem „Schick“ kam 1935 der erste brauchbare Elektrorasierer in Großserie auf den Markt.“ Braun habe 1962 mit dem „sixtant“ den Durchbruch geschafft, ein Jahr später habe das Unternehmen seinen ersten Akkurasierer auf den Markt gebracht. Neben diesen Klassikern sind in der Ausstellung rund 250 andere Rasierer zu sehen. Eine kleine Kuriositätensammlung zeigt ausgefallene Stücke wie Apparate mit besonderem Design oder einen russischen Rasierer zum Aufziehen.

„Das Rasieren ist lästig, mann will es als Mann aber auch nicht missen“, sagt Wuttig. „Es gehört einfach dazu.“ Doch Rasieren ist nicht nur Männersache. „Auch die Damen begannen früh, sich im Gesicht oder an anderen Körperstellen zu rasieren“, sagt Cobarg. Die ausgestellten Frauenrasierer reichen von einer winzigen Klinge aus dem Jahr 1930 über mit Glitzersteinen besetzten Elektrorasierern aus den 50ern bis hin zu modernen Apparaten.

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