Kunst
Ganz Paris träumt vom Luxus

Im Jahr 2005 erzielen französische Auktionshäuser höchste Gebote für Kunstgewerbe des 18. Jahrhunderts. Die Summen, die für Kunst über den Tisch gehen, sind atemberaubend.

HB PARIS. Im Verhältnis zur Bilanz des Jahres 2004 könnte man behaupten, die Welt stünde Kopf. Denn mit dem internationalen Kunstmarktboom kamen - im Gegensatz zu den letzten Jahren - wieder hoch qualitative Möbel des 18. Jahrhunderts auf den Auktionsmarkt. Sie stammen übrigens alle aus Frankreich. Die üblicherweise starken Segmente Art déco, Altmeister und Handzeichnungen sind dagegen im Spitzenbereich rückläufig. Nur die Asiatika kommen weiterhin über die hoch gesetzte Latte.

In Paris fuhr die dem 18. Jahrhundert gewidmete Sammlung Jean Rossignol am 13.12. bei Artcurial-Briest-Le Fur-Poulain-F. Tajan 14,8 Mill. Euro ein. Der von Joseph Baumhauer, genannt Joseph, 1763 gefertigte "bureau plat" aus dieser Sammlung, den Joseph mit handbemalten Sèvres-Porzellanplättchen und vergoldeten Bronzeaufschlägen verzierte (vgl. Handelsblatt vom 9.12.), rangiert mit seinem Bruttopreis von 6,9 Mill. Euro als höchster Zuschlag des Jahres 2005 in Frankreich sowie als teuerster versteigerter Kunsthandwerkgegenstand.

Übrigens erlöste Christie?s in London am 14./15.12. mit der aus dem Pariser Familiensitz der Kunsthändler Wildenstein stammenden Sammlung an 18.-Jahrhundert-Möbeln und Objets d?art 32,2 Mill. Euro (ausführlicher Bericht folgt). Und in New York punktete Sotheby?s am 3./4.11. mit der aus Monaco stammenden Sammlung Safra und einem Ergebnis von 49 Mill. Dollar.

Ein bemerkenswertes Phänomen, dass drei Spitzenqualitätssammlungen in dem Moment auf den Markt kommen, wenn dieser wie Ende der 80er-Jahre überhitzt hochschnellt. Noch Ende des letzten Jahres galten die Luxusmöbel des 18. Jahrhunderts als anachronistisch, überteuert bzw. vom Art déco abgelöst. Dass aber nur marktfrische Topqualität abzusetzen ist, musste Sotheby?s in Paris am 9.12. mit der von Ghislain Prouvost frisch zusammengestellten Schlosseinrichtung aus dem Château du Bois Vert erfahren. Im karg besetzten, selten aktiven Saal wurden viele Lose unter den meist viel zu hohen Taxen abgegeben. Trotzdem blieben 46,5 Prozent des Schätzwertes unverkauft und das Spitzenlos, eine Charles-Cressent-Kommode, wurde wegen ihrer Taxe von 1,5 bis 2 Mill. Euro bei 1,1 Mill. Euro zurückgereicht.

Das 18. Jahrhundert sorgte auch auf dem Gebiet des Kunsthandwerks für Rekordergebnisse. Die beiden weißen Reiher aus Meissen-Porzellan, die Johann-Joachim Kändler 1732 modellierte, erzielten am 22.6. bei Christie?s einen Weltrekordpreis für europäisches Porzellan in Höhe von 5,6 Mill. Euro. Für ein Paar imposante Urnen aus Porphyr aus der Zeit Ludwig XIV. mit der begehrten Rothschild-Provenienz wurde am 7.12. ebenfalls bei Christie?s 1,6 Mill. Euro bewilligt.

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