Kunstaustellung Die Freiheitsstatue – eine recycelte Idee

Die Statue of Liberty ist ein Symbol für die Freundschaft zwischen Frankreich und Amerika. Doch ursprünglich gab es andere Pläne für die Kupferfrau.
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Die Freiheitsstatue auf Liberty Island in New York steht für Frieden und Freiheit. Der Franzose Frédéric Auguste Bartholdi sah seine Skulptur ursprünglich im Orient und nicht in Amerika. Quelle: dpa
Statue of Liberty

Die Freiheitsstatue auf Liberty Island in New York steht für Frieden und Freiheit. Der Franzose Frédéric Auguste Bartholdi sah seine Skulptur ursprünglich im Orient und nicht in Amerika.

(Foto: dpa)

Paris93 Meter über dem Erdboden erhebt die Statue of Liberty in New York ihre Fackel. Schon in der Schule lernen wir, dass Frankreich sie den USA schenkte, als Gruß an die Amerikaner zum 100. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Das Denkmal wurde erst 1886 eingeweiht und sollte die gegenseitige Sympathie zweier freiheitsliebender Völker ausdrücken.

Doch für den Schöpfer des weltweit bekannten Monuments, den Franzosen Frédéric Auguste Bartholdi, war die Aufstellung in New York nur eine Notlösung. Die Fackelträgerin war die Zweitverwendung einer Idee, die er eigentlich in Ägypten verwirklichen wollte.

Wäre es nach Bartholdi gegangen, dann stünde die Freiheitsstatue heute am Eingang des Suezkanals und nicht vor Manhattan. Ismail Pascha, Vizekönig von Ägypten unter türkischer Oberherrschaft, beauftragte Bartholdi 1867 damit, ein Kunstwerk zu schaffen, dass zur Einweihung des Suezkanals fertig sein sollte.

Der Franzose hatte Ägypten und arabische Länder wie den Jemen mehrfach bereist und begeisterte sich für ägyptische Monumental-Skulpturen. So entstand seine Idee, eine 40 oder 50 Meter hohe Frauenstatue mit Turban zu schaffen, die einen Leuchtturm in die Höhe recken sollte.

Bartholdis ursprüngliche Entwürfe aus Ton und die gesamte Vorgeschichte des Projekts kann man in einer sehenswerten Ausstellung über den Suezkanal im Pariser Institut du Monde Arabe besichtigen. Sie reicht bis zu einem Geheimprotokoll zum Krieg von 1956, den Frankreich, England und Israel gegen Ägypten anzettelten.

Die ausgestellten ersten Modelle für den Standort Ägypten weisen eine frappierende Ähnlichkeit mit der später verwirklichten Statue of Liberty auf. Warum Ismail Pascha das Projekt Bartholdis letzten Endes ablehnte, ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass Geldknappheit des Vizekönigs die Ursache war. Die Erkenntnis, dass Ägypten keine Leuchte der Menschlichkeit war, dürfte es nicht gewesen sein.

Der Bau des Kanals, auch das wird in der Ausstellung dankenswerterweise nicht verschwiegen, war nicht nur ein sündhaft teures, sondern auch ein besonders brutales und menschenverachtendes Unternehmen. Bei Beginn der Bauarbeiten in den 1850er Jahren war die Technik noch nicht sehr weit fortgeschritten – und es fehlten Arbeitskräfte. Der mit dem Bau beauftragte französische Ingenieur Ferdinand Lesseps wurde unruhig.

Daraufhin führte der ägyptische Vizekönig die Zwangsarbeit ein. Mehrere hunderttausend ägyptische Bauern wurden dazu gezwungen, mit primitivsten Werkzeugen, teilweise mit bloßen Händen, an der Aushebung des Kanals zu arbeiten. Als zehntausende von ihnen an Erschöpfung, Wassermangel oder der Cholera starben, entstand ein weltweiter Skandal.

Ägypten setzte die Zwangsarbeit wieder aus, was die französische Seite veranlasste, sofort eine hohe Entschädigungszahlung zu verlangen: Schließlich würden die Arbeiten nun teurer werden.

1869 wurde der Suezkanal mit großem Pomp eingeweiht. Viele europäische Monarchen waren dabei, Bartholdis Statue aber nicht. „Ägypten erleuchtet den Orient“ sollte sie heißen. Ein paar Jahre später wurde daraus in New York der offizielle Name „Die Freiheit erleuchtet die Welt.“

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