Kunstmarkt
Unersättliche Gier nach Bildern

Das Jahr 2006 war ein Jahr der Superlative, geprägt von der Gier nach Kunst. Nie zuvor gab es so viele Weltrekorde in nahezu allen Sammelgebieten, nie zuvor wurde so viel Geld so locker in repräsentative Werke und in große Namen mit Wiedererkennungswert investiert. Der Kunstmarkt boomt.

DÜSSELDORF. Ein russischer Auftragsbieter bewilligte 95,2 Mill. Dollar brutto für Picassos kantiges Bildnis von "Dora Maar mit Katze" aus dem Kriegsjahr 1941 (Sotheby?s). Für 88 Mill. Dollar fiel Gustav Klimts prachtvolles Jugendstilporträt "Adele Bloch-Bauer II" an einen Telefonbieter (Christie?s). Mit je 27 Mill. Dollar teilen sich Hauptwerke von Willem de Kooning ("Untitled XXV", Christie?s) und Edward Hopper ("Hotel Window", Sotheby?s) den Titel "Weltauktionsrekord für Nachkriegskunst".

Wie stark der Kunstmarkt ist, zeigen in diesem Jahr nicht nur die Top-Zuschläge, sondern auch die überproportional gut gelaufenen Tagesauktionen mit Alter wie mit moderner Kunst bei Christie?s und Sotheby?s. Aber auch die Auktionen von Phillips (inkl. online) und die deutschen Auktionen bedienen den boomenden Markt in seiner ganzen Tiefe. Seit einem Jahr hat die Kunsthausse endlich auch die deutschen Versteigerer erreicht.

Seit Monaten ist die Nachfrage intensiv und polyzentrisch. Neben langjährige Sammler aus Europa, Russland und den USA treten neue Bieter. Ihnen allen macht indes eine wachsende Sammlerschar aus Asien Konkurrenz, die so finanzstark ist, dass sie sich auch bei Spitzennotierungen durchsetzt.

Dafür steht ein Extremzuschlag wie jene umgerechnet 19,7 Mill. US-Dollar für eine kaiserliche Famille-Rose-Schale mit Schwalbendekor. Das einzigartige Stück aus der Sammlung Robert Chang wurde bei Christie?s in Hongkong von dessen Schwester Dr. Alice Cheng erworben. Aber das Interesse der neuen Reichen aus dem Fernen Osten richtet sich auch auf westliche Kunst. 3 Mill. Dollar setzte ein koreanischer Sammler für "Kuh mit Kalb" des deutschen Expressionisten Heinrich Campendonk ein, der gerade wiederentdeckt wird (Christie?s). 3,9 Mill. Dollar bewilligte ein anonymer Bieter aus Asien für Gerhard Richters politisch aufgeladenes Porträt "Tante Marianne", das auf die Euthanasie im NS-Staat anspielt (Sotheby?s).

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