Kunstprofessor ließ Freudenmädchen mitkoksen
Callgirl belastet Immendorff

Der schwer kranke Maler Jörg Immendorff soll nach Zeugenangaben bei Sex- und Drogenorgien auch Prostituierten Kokain überlassen haben. Der Kunstprofessor habe gesehen und toleriert, wie mehrere Mädchen Kokain konsumierten, räumte ein 30-jähriges Callgirl als Zeugin vor dem Landgericht Düsseldorf auf Nachfragen ein.

HB DÜSSELDORF. Sie korrigierte damit ihre Aussage in einem wichtigen Punkt, nachdem sie sich zuvor in Widersprüche verstrickt hatte. „Ich bin mir sicher, dass er es gesehen hat“, sagte sie schließlich. Anschließend habe Immendorff den Frauen das Kokain aber weggenommen. Auch sie selbst habe in Anwesenheit Immendorffs zum ersten Mal Kokain probiert, gestand die Frau, die unter dem Namen „Patrizia“ an mehreren Sex- und Drogenorgien des Malers teilgenommen hatte.

Die Mädchen hätten dem schwer kranken Kunstprofessor sogar einen Aschenbecher voller Kokain hingehalten, damit dieser die Droge mit einem Strohhalm schnupfen konnte, sagte sie. Am Dienstag hatte die Frau noch behauptet, der Kunstprofessor habe nie etwas davon mitbekommen, wenn sich die Freudenmädchen an seinem Drogenvorrat bedient hätten.

Der Künstler ist wegen Drogenbesitzes und der fahrlässigen Überlassung von Kokain an Prostituierte angeklagt. Eine zweite Prostituierte wollte sich im Zeugenstand am Donnerstag nicht erinnern, ob der Kunstprofessor den Drogenkonsum der Prostituierten bemerkt hatte. In ihrer Vernehmung bei der Polizei hatte die 33-Jährige noch gesagt, dass sie davon ausgegangen sei. Beide Frauen beteuerten, dass Immendorff Kokain zwar selbst genommen, aber nie angeboten habe. Der Prozess soll am kommenden Mittwoch mit der Vernehmung von zwei weiteren Prostituierten und den Plädoyers fortgesetzt werden.

In dem Verfahren geht es vor allem noch um die Frage, ob Immendorff das Kokain auch Dritten überlassen hat. Der todkranke 59-Jährige hatte dies bestritten, ansonsten aber ein Geständnis abgelegt und alle Tatvorwürfe eingeräumt. Polizisten hatten ihn vor einem Jahr bei einer der Drogen- und Sexpartys in der Suite eines Düsseldorfer Luxushotels ertappt. Der 59-Jährige ist im fortgeschrittenen Stadium an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS erkrankt. Ein Gutachter hatte ausgesagt, der Künstler werde bald sterben.

Der Maler hatte zu Prozessbeginn gestanden, seit etwa zehn Jahren Kokain zu nehmen. Immendorff ist Träger des mexikanischen Marco-Preises, des weltweit höchstdotierten Kunstpreises, und gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Maler Deutschlands. Für seine Partys hatte er mehr als 100 000 Euro ausgegeben.

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