Kurbad mit Spa-Hotel
Reha gegen Seehofer-Syndrom

Das neue Kostenbewusstsein im Gesundheitswesen lässt die Kurorte darben. Deutschlands einziges privates Kurbad in Bad Driburg hält dagegen: Eine großzügige und edel gestaltete Wellness- und Bade-Landschaft weit weg vom üblichen Sauna-Standard sollen zahlungskräftige Gäste locken.

BAD DRIBURG. Aus den Quellen sprudelt dreierlei Heilwasser – ein „erdiger Säuerling“, ein „sulfatisches Bitterwasser“ und ein „sulfatischer Säuerling“. Das mag gesund sein, doch Kurgäste in Scharen lockt es lange nicht mehr, schon gar nicht vor dem Hintergrund des staatlich verordneten Kostenbewusstseins im Gesundheitswesen. „Seit Seehofer“, konstatiert Marcus Graf Oeynhausen-Sierstorpff, „ist das Kur- und Rehawesen wie ein Kartenhaus zusammengebrochen.“

Der Graf ist der Herr der drei Quellen – und Chef einer Unternehmensgruppe, die dank der Heilwässer seit 225 Jahren im ostwestfälischen Bad Driburg am Fuße des Teutoburger Waldes das einzige private Kurbad in Deutschland betreibt. Erworben und aufgebaut wurde das Imperium mit Kurkliniken, Mineralwasserabfüllanlage und einem bislang eher bescheidenen Kurhotel seit 1782 von Caspar von Sierstorpff und den ihm folgenden sieben Familien-Generationen. Heute beschäftigt die Gruppe rund tausend Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr 66 Mill. Euro um.

Zum Jubiläum, das Ende Juni groß gefeiert wird, zog Graf Oeynhausen, wie der 46-jährige gelernte Unternehmensberater gemeinhin genannt wird, Konsequenzen aus „Seehofer“ und den Folgen. „Meine Familie hat einfach vergessen, dieses Bad zu verkaufen“, konstatiert er schlicht. Er trat deshalb die Flucht nach vorn an: Er entwickelte ein Marketingkonzept für die Kurkliniken und deren ärztliches Know-how. Und er entschloss sich, mehr als 20 Millionen Euro in das Hotel zu investieren. Das sei „eigentlich die letzten hundert Jahre defizitär gewesen“, resümiert der Graf mit aristokratisch zurückhaltendem Stirnrunzeln.

Nun kommt – nach umfassenden Ausbau und Neubau – das in die Jahre gekommene denkmalgeschützte Ensemble unterschiedlichster Häuser wie Phönix aus der Asche. Die alte Herberge, in der Hölderlin seine große Liebe erlebte und Annette von Droste-Hülshoff Stammgast war, wandelte sich zur noblen Adresse namens „Gräflicher Park Hotel & Spa Bad Driburg“. 137 Zimmer, Tagungskapazitäten für bis zu 500 Teilnehmer, vor allem aber eine großzügige und edel gestaltete Wellness– und Bade-Landschaft weit weg vom üblichen Sauna-Standard sollen nun zahlungskräftige Gäste locken, die nicht gerade auf Krankenkassen-Rezept nach Bad Driburg reisen.

Unterstützt von seiner Ehefrau Annabelle begab sich der Graf dazu in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Unter laufendem Betrieb ließ der größte Arbeitgeber am Ort 11 000 Quadratmeter Altbau-Substanz von Grund auf renovieren und für hohe Ansprüche herrichten; 6 000 Quadratmeter Neubau entstanden überwiegend für das Spa.

Seite 1:

Reha gegen Seehofer-Syndrom

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%