Kuriose Vorschrift
Wie Ihre Firma in China nicht heißen darf

Kondome, die Wunder vollbringen, sind in China nicht erlaubt. Zumindest nicht als Firmenname. Im Reich der Mitte wurden nun strenge Regeln zur Unternehmensbenamung erlassen – der Humor uferte den Behörden offenbar aus.
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DüsseldorfNamen sind nicht immer Schall und Rauch, das gilt besonders im Unternehmensbereich. Dort gilt viel mehr: nomen est omen. Ein chinesischer Kondomhersteller wollte daher wohl zum Tatendrang anregen und nannte sich „Eine Gruppe junger Leute mit Träumen, die glaubt, unter Anleitung von Onkel Niu Wunder im Leben zu vollbringen“. Im Chinesischen sind das sogar ganze 39 Worte.

Viel zu viele, findet Chinas staatliche Behörde für Industrie und Handel und verbat den Namen schlichtweg. In einer Verlautbarung gab sie 19 Regeln bekannt, gegen die künftig bei der Namenswahl künftig nicht verstoßen werden darf. Verboten sind unter anderem nun Namen mit weniger als zwei Zeichen, mit rassistischen oder politisch sensiblen Begriffen oder Anstiftung zu Gesetzesverstößen.

Die Nachricht und die im Dekret genannten Beispiele erheiterten jedoch chinesische Internetnutzer. Sie suchten prompt nach anderen Beispielen. Unter den Gewinnern: „Peking Angst vor dem eigenen Weib Technologie GmbH“, „Was Guckst Du in Shenzhen Technologie GmbH“ und „Shenyang Prähistorische Kräfte Hotelverwaltung GmbH“. Letzteres ist eine Anspielung auf die Schwimmerin Fu Yuanhui, die mit ihrer albernen Unbefangenheit die Herzen der chinesischen Sportfans eroberte, nachdem sie behauptet hatte, ebendiese prähistorische Kräfte wären für ihre Bronzemedaille verantwortlich.

Die Namensanmeldungen sind ein Spiegelbild gesellschaftlicher Debatten und Trends im Lande. So sagte der chinesische Milliardär und Wanda-Chef Wang Jianlin letztes Jahr in einer beliebten TV-Show, dass er als Unternehmer ursprünglich „100 Millionen“ Yuan, also umgerechnet 13 Millionen Euro, verdienen wollte. Kurz darauf gab es 32 registrierte Firmennamen, die auf den Betrag anspielten. Auch die Beliebtheit des Begriffes „dünner, blauer Pilz“ ist eine solche Referenz. Sie bezieht sich auf ein Video, in dem ein Mann über seine Einsamkeit als Single klagt. Doch aufgrund seines Dialekts klingt es, als spräche er nicht über seine Wut und sein Weinen sondern über Drogen – den blauen Pilz eben.

Deutsche Unternehmen und ihre übersetzten Firmennamen sind von diesen Regelungen nicht betroffen. Tatsächlich gelten einige sogar als Paradebeispiele dafür, wie Wohlklang mit Wohlgefallen verbunden sein können. So sind die zwei Zeichen für BMW, im chinesischen „BaoMa“ genannt, Schatz und Pferd. Nivea wiederum bedeutet im Chinesischen „Mädchen erhält Eleganz aufrecht“.

China ist übrigens kein Einzelfall bei der Namensregulierung. Anfang dieses Jahres bereitete das französische Gesundheitsministerium ein Dekret vor, dass verlockende und positive Wörter wie „Allure“ oder „Vogue“, auf Zigarettenschachteln verbietet. In Deutschland darf man sein Kind zwar Milka, Fanta und Sonne nennen, aber Gucci, Whisky und McDonalds wurden vom Standesamt abgelehnt.

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