Kurz vor Prozessende
Familienvater gesteht hundertfachen Missbrauch

Kurz vor dem Ende des Prozesses hat der wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs angeklagte Familienvater Detlef S. ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm "taktisches Verhalten" vor.
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KoblenzDer 48-jährige Familienvater aus Fluterschen im Westerwald gebe alle Vorwürfe aus dem Plädoyer der Anklage zu, sagte sein Verteidiger am Montag vor dem Koblenzer Landgericht. Dabei geht es um rund 160 Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung sowie Beihilfe zu diesen Taten. Opfer waren drei seiner Kinder - eine heute 18 Jahre alte Tochter, eine 27 Jahre alte Stieftochter und deren Zwillingsbruder. Der Angeklagte ließ mitteilen, er habe sich „grundsätzlich falsch verhalten“.

Er räumte ein, sowohl seine Tochter als auch die Stieftochter zu fremden Männer gefahren, sie zur Prostitution gezwungen und dafür Geld bekommen zu haben.

Der Verteidiger von Detlef S. hat eine Haftstrafe von neuneinhalb Jahren für seinen Mandanten beantragt. Anders als die Staatsanwaltschaft lehnte er eine anschließende Sicherungsverwahrung am Montag ab - der 48-Jährige aus Fluterschen stelle keine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Bislang hatte der Angeklagte nur die Übergriffe auf seine Tochter eingeräumt und zugegeben, sieben Kinder mit seiner Stieftochter gezeugt zu haben. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete das Geständnis als ein „taktisches Vorgehen“ des Mannes. Er zeige keine wirkliche Reue. An der rechtlichen Bewertung habe sich durch das Geständnis nichts geändert. Staatsanwalt und Nebenklage hatten in der Vorwoche 14 Jahre und sechs Monate Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung für den Angeklagten gefordert.

Dass der 48-Jährige voll schuldfähig ist, hatte ein Gutachter bereits zuvor attestiert und auf das antisoziale und manipulierende Verhalten des Angeklagten hingewiesen. Ein Urteil wird für Dienstag erwartet.

Der Fall hatte bundesweit für großes Aufsehen gesorgt. Dabei war unter anderem das Jugendamt des Kreises Altenkirchen, das die Familie über Jahre hinweg betreut hatte, in die Kritik geraten. Die Mitarbeiter sollen trotz mehrfacher Hinweise auf Missbrauch in der Familie nicht ausreichend eingegriffen haben.

 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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