Kurze Baisse
Börse erwies sich als Stehaufmännchen

Alles deutete auf eine schwere Wirtschaftskrise hin: Nach den Anschlägen des 11. Septembers fielen die Börsenkurse ins Bodenlose und die Wall Street schloss für sechs Tage - länger als jemals zuvor. Doch Konjunktur und Kurse erholten sich schnell. Dafür gibt es handfeste Gründe.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Anschläge trafen auch die Börsen hart: Nach der Wiedereröffnung sackte die New Yorker Börse binnen fünf Tagen um 1 299 Punkte ab, der Deutsche Aktienindex (Dax) stürzte um knapp 900 auf 3 787 Zähler. Vor allem Aktien direkt betroffener Branchen - Luftverkehrsunternehmen, Reisekonzerne und die Versicherer - gerieten massiv unter Druck. Typische Prognose jener Tage: "Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht."

Doch hatte der Dax, der am Tag vor den Anschlägen bei 4 670 Punkten stand, diesen Wert schon am 11. Oktober 2001 wieder überholt und notierte bei 4 718 Zählern. Einen weiteren Monat später war sogar die 5 000-Punkte-Hürde genommen. Die Börse kehrte zurück auf ihren alten Kurs.

"Sobald der Schock vorbei ist und sich die Lage wieder einigermaßen normalisiert, wird an der Börse wieder auf die Zahlen geschaut", erklärt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz die relativ schnelle Erholung der Aktienmärkte. Dabei habe sich gezeigt, dass die Auswirkungen auf die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, nicht so stark gewesen seien wie befürchtet. Grund also für wieder steigende Kurse. "Da reagiert die Börse ganz rational", meint der Aktionärsschützer.

Dass im Folgejahr 2002 ein Niedergang auf Raten der wichtigsten Börsenbarometer einsetzte, hatte andere Gründe: Nach und nach kamen bei immer mehr US-Großkonzernen Bilanztricksereien ans Licht, die das Vertrauen der Anleger zutiefst erschütterten.

Nur die Airlines stürzten ab

Für die angeschlagenen Fluggesellschaften Swissair und Sabena bedeuteten die Terroranschläge in den USA allerdings das Aus. Auch die meisten anderen Airlines bekamen die Turbulenzen nach dem 11. September deutlich zu spüren. Nach Angaben des Branchenverbandes IATA war 2001 für die internationale Luftfahrt das verlustreichste Jahr aller Zeiten. Mehrere US-Airlines gerieten in Finanznot. US-Airways und United Airlines meldeten Insolvenz an und selbst die Lufthansa schrieb 2001 erstmals seit 1993 rote Zahlen.

Dennoch kamen Ökonomen ein Jahr nach den Anschlägen zu dem Ergebnis, dass der 11. September die wirtschaftliche Entwicklung zwar belastet, aber nicht dominiert habe. Bestes Beispiel: Die amerikanische Wirtschaft, die vor den Anschlägen in eine Rezession gerutscht war, wies in den letzten drei Monaten 2001 mit 0,2 Prozent erstmals seit mehreren Quartalen sogar wieder ein leichtes Plus aus.

Wichtig war nach Einschätzung der Wirtschaftswissenschaftler die schnelle Reaktion der Notenbanken. Sechs Tage nach den Terroranschlägen hatten die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank und die Schweizer Nationalbank die Zinsen um jeweils 50 Basispunkte gesenkt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%