Kurzporträt
Friedenspreis-Trägerin Susan Sontag: Provozierende Intellektuelle

Auf der Liste möglicher Nobelpreis- Kandidaten steht sie seit langem, zunächst aber bekommt sie den renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Susan Sontag (70), US-amerikanische Schriftstellerin, gilt als eine der führenden zeitgenössischen Intellektuellen und kompromisslose Menschenrechtlerin.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Sie mischt sich ein, äußert sich politisch, nimmt dabei oft kein Blatt vor den Mund. Ihr provokanter Essay zur Reaktion der US-Regierung auf die Terroranschläge vom 11. September brachte ihr aus konservativen Kreisen den Vorwurf des Landesverrats ein.

Geboren 1933 in New York, stammt Sontag aus einer gutbürgerlichen jüdischen Familie. Ihr Vater starb, als sie sechs war, die Mutter heiratete wieder. Ihr Studium absolvierte die schon als Schülerin literarisch ambitionierte Sontag unter anderem in Berkeley und Chicago, später in Harvard und Paris und Oxford. Sie begann ihren Berufsweg 1959 als Mitherausgeberin der Zeitschrift „Commentary“. In den 60er Jahren hielt sie Vorlesungen in Englisch und Philosophie an verschiedenen US-Universitäten, arbeitete aber nebenher als Schriftstellerin.

1963 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „The Benefactor“ (Der Wohltäter). Beachtung erwarb sie sich danach vor allem mit ihren kultur- und zeitkritischen Essays. Auch politisch engagierte sie sich: 1989 organisierte Sontag einen Protest amerikanischer Intellektueller gegen den iranischen Ayatollah Khomeini wegen dessen Hetze gegen den Schriftsteller Salman Rushdie.

Während des Bosnien-Krieges lebte Sontag einige Zeit in Sarajewo, um die Angst von Menschen in bewaffneten Konflikten verstehen zu können. Als sie im Mai 2001 in Jerusalem einen Preis entgegennahm, verband sie dies mit heftiger Kritik am Preisstifter, dem Staat Israel, und seiner Besatzungspolitik in den Palästinensergebieten.

Sontag heiratete 1950; aus der 1959 geschiedenen Ehe stammt ihr Sohn David. Sontags Beziehungen nach Europa sind eng: Sie verbringt hier regelmäßig einen Teil des Jahres, oft in Paris. In Tübingen wird sie vom 23. bis 27. Juni an der Universität die traditionelle Poetik- Dozentur übernehmen.

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