KZ Auschwitz
„Arbeit macht frei“-Schriftzug gestohlen

Vom Eingangstor zum Stammlager des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz ist am Freitagmorgen der metallene Schriftzug "Arbeit macht frei" gestohlen worden. Von den Tätern fehlt jede Spur. Zunächst soll nun eine Kopie des Schriftzugs angebracht werden.
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HB WARSCHAU/HAMBURG. Der Sprecher der Gedenkstätte, Jaroslaw Mensfelt, bestätigte am Freitag Berichte der polnischen Medien. Die Museumswächter hätten als erste den Diebstahl bemerkt und die Polizei informiert. Von den Tätern fehle jede Spur, sagte der Sprecher. Inzwischen wurde eine Kopie der Original-Tafel, die während der Renovierungsarbeiten angefertigt worden war, angebracht.

Laut Mesfeldt war der Diebstahl, der sich gegen drei Uhr ereignete, kein Zufall“. Die Täter seien gut vorbereitet gewesen, sie wüssten, wie man aufs Gelände gelangen und das Symbol abnehmen könne. „Das hat jemand getan, der gut wusste, was er will“, sagte der Sprecher.

Der Vorsitzende der zweiten Parlamentskammer des Senats, Bogdan Borusewicz, bezeichnete den Vorfall als „bedauerlich und peinlich“. Er hoffe, dass die historische Tafel nicht zerstört werde, sagte der Politiker dem polnischen Rundfunk.

Das KZ Auschwitz

Das ehemalige nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz ist das wichtigste Symbol für den Völkermord an den Juden. In dem zwischen den polnischen Städten Krakau und Kattowitz gelegenen Lager wurden während des Zweiten Weltkrieges mehr als eine Million Menschen ermordet.

Wie in Auschwitz prangte die Parole „Arbeit macht frei“ als Toraufschrift auch über anderen Konzentrationslagern. Sie geht auf den zynisch missbrauchten Titel eines 1873 veröffentlichten Romans des Schriftstellers und Sprachwissenschaftlers Lorenz Diefenbach zurück. Darin gelangt ein Spieler und Betrüger durch geregelte Arbeit auf den Pfad der Tugend zurück.

Am 27. April 1940 befahl der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, in der Stadt Oswiecim im besetzten Polen ein Konzentrationslager zu errichten. Knapp zwei Monate später wurden die ersten Häftling nach Auschwitz gebracht. Danach wurde die Lageranlage in einem früheren Kasernenkomplex immer weiter ausgebaut. Ende 1941 waren 11 500 Häftlinge und 11 000 sowjetische Kriegsgefangene eingesperrt. Seit September 1941 wurden Häftlinge mit dem Giftgas Zyklon B getötet.

Nach der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942, auf der die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen worden war, wurde Auschwitz zum zentralen Ort des industriellen Massenmordes. Sowjetische Truppen befreiten die überlebenden Häftlinge am 27. Januar 1945.

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