Lac-Megantic
Hoffnung nach Zugunglück schwindet

In Lac-Megantic werden nach einem Zugunglück immer noch 40 Menschen vermisst. Unterdessen hat eine heftige Debatte über die Sicherheit von Öltransporten begonnen.
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OttawaIn der kanadischen Kleinstadt Lac-Megantic wächst die Verzweiflung der Menschen, die auch zwei Tagen nach dem katastrophalen Zugunglück noch keine Nachricht über das Schicksal ihrer vermissten Angehörigen haben. Bergungsteams und Ermittler der Behörde für Verkehrssicherheit versuchten, ins Zentrum des Katastrophenorts vordringen, nachdem am Sonntagabend das Feuer gelöscht war. Am Montagmorgen wurden immer noch rund 40 Personen vermisst, 13 Menschen sind nach offiziellen Angaben ums Leben gekommen.

Zwei Tankwaggons wurden weiter mit Wasser besprüht, um sie abzukühlen und erneute Explosionen zu verhindern, berichtete der Feuerwehrchef der Gemeinde, Denis Lauzon. Wegen der Explosionsgefahr war die unmittelbare Umgebung des Ortes, an dem am frühen Samstagmorgen mehrere Waggons mit Rohöl entgleist und explodiert waren, zu einer Sperrzone erklärt worden. Befürchtet wurde, dass nahe am Unglücksort zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Bis Montagmorgen wurden erst fünf Todesopfer geborgen. Mehrere Wohnhäuser aber sind bis auf die Grundmauern abgebrannt. Eine jetzt völlig zerstörte beliebte Kneipe, dem Musi-Café, in dem in der lauen Sommernacht von Freitag auf Samstag zahlreiche Menschen waren und eine Band aufspielte, könnte zu einer tödlichen Falle geworden sein. Mindestens drei der geborgenen Todesopfer mussten zur Identifikation anhand von DNA-Untersuchungen nach Montreal gebracht werden.

Der kanadische Premierminister Stephen Harper hatte sich am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in Lac-Megantic informiert. Er sprach von einem „unvorstellbaren Desaster“, das die Stadt „wie eine Kriegszone“ erscheinen lasse. Die Informationen, die er bislang über den Ablauf des Unglücks habe, seien „sehr, sehr besorgniserregend“ und kündigte eine umfassende Untersuchung der Unglücksursache an.

Denn der Unglückszug war etwa zwei Stunden vor der Katastrophe rund zwölf Kilometer von Lac-Megantic nahe der Gemeinde Nantes abgestellt worden, da ein Personalwechsel bevorstand. Wie das Eisenbahnunternehmen Montreal Maine & Atlantic mitteilte, haben sich offenbar die Luftdruckbremsen möglicherweise wegen eines Abschalten der ganzen Maschine gelöst und der Zug rollte nach Lac-Megantic. Der Fahrtenschreiber, die „Blackbox“, wurde inzwischen sichergestellt und wird von Experten des Transportation Safety Boards untersucht.

Verwirrung und zusätzliche Fragen riefen Berichte hervor, wonach bereits zwei Stunden vor dem Unglück Feuerwehren zu dem Zug gerufen worden seien, weil in der Lokomotive angeblich ein Feuer ausgebrochen war. Dieses wurde, wie Zeitungen den Leiter der Feuerwehr zitieren, aber schnell gelöscht.

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