Länder suchen nach Fehlern: Pannenserie bei BSE-Tests geht weiter

Länder suchen nach Fehlern
Pannenserie bei BSE-Tests geht weiter

Kaum haben die deutschen Verbraucher wieder Vertrauen in Rindfleischprodukte gewonnen, da kommt eine Hiobs-Botschaft nach der anderen. Die Bundesländer stoßen auf immer mehr Fälle, in denen ohne gesetzlich vorgeschriebenen BSE-Test geschlachtet wurden.

HB BERLIN. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres seien 611 Tiere ohne den Test auf Rinderwahnsinn geschlachtet worden, teilte der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Alexander Müller (Grüne), am Donnerstagabend nach einer Telefonkonferenz mit den Bundesländern mit. Zunächst waren 510 Fälle festgestellt worden. Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) sieht trotz der Pannen keinen Anlass, vor dem Verzehr von Rindfleisch zu warnen. Die Ministerin versicherte aber: „Bei der Lebensmittelsicherheit ist mit uns nicht zu spaßen.“

Das Ministerium hatte die Bundesländer auf einen Abgleich der Daten in der bundesweiten Rinderdatenbank zur Klärung aller Zweifelsfälle gedrängt. Die Tiere seien zum Teil schwarz geschlachtet worden - also ohne Überprüfung der Fleischhygiene, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. Oder Tiere seien einige Tage nach der vorgeschriebenen 24- Monats-Grenze getötet worden. Die Tests sind in Deutschland bei mehr als 24 Monate alten Rindern vorgeschrieben. In einzelnen Landkreisen sollen nach seinen Angaben aber auch Veterinäre gesagt haben, dass ein Test nicht notwendig sei. Hier ermittele die Staatsanwaltschaft.

Außerdem seien 374 Rinder genau an ihrem zweiten Geburtstag geschlachtet worden. Juristen prüfen, ob der Verzicht auf den BSE-Test in diesen Fällen zulässig war. Weitere unklare Fälle würden in den Ländern noch überprüft, sagte Müller. Mit einem weiteren Anstieg der Zahl sei daher zu rechnen. Für mögliche Rückrufaktionen von ungetestetem Fleisch sind die Bundesländer zuständig.

Müller sagte im ZDF, 99,95 % aller BSE-Tests seien ordnungsgemäß abgeschlossen worden. Insgesamt wurde 2003 bei knapp drei Mill. BSE-Tests in 54 Fällen die Rinderkrankheit festgestellt. Statistisch betrachtet sei die Wahrscheinlichkeit „äußerst gering“, dass unter den nicht getesteten Rindern an BSE erkrankte Tiere gewesen seien, sagte Müller im Bayerischen Rundfunk. Müller hält die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor BSE-verseuchtem Fleisch für sehr gut. BSE-Tests seien nur ein Teil des Schutzsystems. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft verwies darauf, dass die Hauptmaßnahme das Entfernen von Risikomaterial wie Hirn und Rückenmark beim Schlachten sei.

Der CDU-Agrarpolitiker Peter Harry Carstensen erklärte, dass das BSE-Testsystem an sich sicher sei. Er forderte aber ein Vorgehen gegen Kriminelle, die die Leistungen der Land- und Fleischwirtschaft in Verruf brächten. Das wieder gewonnene Vertrauen der Verbraucher dürfe nicht verspielt werden.

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