Längere Tage und kürzere Röcke
Die Flirtsaison ist eröffnet

Knospen sprießen, Vögel zwitschern und die Cabrio- und Sonnenbrillen-Dichte steigt dramatisch. Egal, ob sich die Temperaturen in der Nacht mitunter noch um den Gefrierpunkt bewegen, die Flirtsaison ist eröffnet. Denn selbst die zartesten Sonnenstrahlen erwärmen nicht nur die Wangen, sondern vor allem die Gemüter.

dpa HAMBURG. Wintermäntel werden gelüftet, Schals gelockert, Frühlingsgefühle bekommen freien Lauf. Alles nur Gefühlsdusel? Keineswegs, auch wenn sich Wissenschaftler uneins über die Ursachen sind, die Symptome sind eindeutig: beste Laune und Kribbeln im Bauch.

„Durch das Sonnenlicht und mehr Helligkeit wird das Hormon Serotonin verstärkt ausgeschüttet und das lässt uns insgesamt wacher und vitaler werden“, sagt der Biopsychologe Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin. Bei mehr Licht produziert der Körper außerdem weniger vom Schlafhormon Melatonin. Die Stimmung steigt und damit die Lust auf Flirts und Sex. Doch das ist längst nicht alles.

„Für die durchaus wissenschaftlich umstrittenen Frühlingsgefühle gibt es physiologische, chronobiologische und psychologische Gründe“, sagt Walschburger. Dabei seien es vor allem die psychologischen Aspekte, die uns im Frühling aufblühen ließen. „Die Anregungsbedingungen sind einfach besser als im Winter“, sagt er. Frauen trügen wieder kürzere Röcke und tiefere Dekolletés. Das schaffe Anreize.

„Der Frühling bietet ganz einfach mehr Möglichkeiten“, sagt auch Nina Deißler - und sie muss es wissen. Seit Jahren bietet die Hamburgerin Flirtseminare an. „Markante Punkte für den Wunsch nach einer Beziehung sind immer um Weihnachten herum und im Frühling“, sagt sie. Da seien im Frühling die Chancen oft besser und zwar aus ganz praktischen Gründen. „Man darf nicht vergessen, dass man den Körper wieder strafft, wenn man sich nicht mehr in seinem Wintermantel vor dem eisigen Wind schützen muss.“ Da könne man den Blick auch wieder nach vorn richten - und potenzielle Flirtpartner überhaupt erst sehen.

Vor allem auf psychologische Faktoren führt auch der Endokrinologe Prof. Horst Harald Klein von der Universität Bochum die vielbeschworenen Frühlingsgefühle zurück. „Es handelt sich dabei schließlich nicht um eine Krankheit, daher gibt es auch kaum wissenschaftliche Untersuchungen dazu“, sagt er. Selbst die erhöhten Hormonausschüttungen hält er für vernachlässigungswürdig. „Ob wir Glück oder Lust verspüren, hängt zweifellos von einem komplexen Puzzle ab, bei dem psychologische Faktoren, Sinnesreize und individuelle Veranlagung eine Rolle spielen - nicht nur der Hormonspiegel“, sagt er und verweist ebenfalls auf die vielen optischen Reize, denen der Mensch im Frühling - dank luftigerer Kleidung und fröhlicher Gesichter - ausgesetzt ist.

Doch die längeren Tage gepaart mit penetrant guter Laune einiger Menschen lösen nicht bei allen Hochgefühle aus: Statt Kribbeln im Bauch verspüren sie bleierne Frühlingsmüdigkeit. „Auch hier handelt es sich vermutlich um eine Kombination vieler verschiedener Faktoren“, erklärt Prof. Klein. Im Frühling nähmen die Aktivitäten nun mal zu, der Körper werde mehr gefordert. Viele Menschen blieben auch länger wach und aktiv. „Wenn man im Frühling abends um acht müde ist und es ist noch hell, fällt das einfach mehr auf als im Winter.“ Das sei eine ganze normale Umstellung, mit der der Körper fertig werden müsse. Und Prof. Walschburger fügt hinzu: „Das Wetter muss eben für die verschiedensten Dinge herhalten, egal ob für Hochgefühle oder Schläfrigkeit.“

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