Lage an der Elbe
Die Menschen fliehen vor dem Hochwasser

Zwar hat sich die Lage an der Elbe verschärft, doch mit einer Hochwasserkatastrophe wie im Jahr 2002 rechnet hier niemand. Einie Deiche sehen allerdings wenig vertrauenserweckend aus. Vorsorglich wurden die Menschen in den Orten dahinter evakuiert – auch gegen ihren Willen.

HB DRESDEN. Schätzungsweise 1 500 Menschen verschiedener Orte Sachsens mussten ihre Wohnungen verlassen, teilweise unter Zwang. Der Katastrophenalarm wurde am Wochenende auf weitere Gebiete ausgeweitet, was neue Evakuierungen nach sich zog. Die Landesexperten erhöhten ihre Prognose für den Pegelstand der Elbe in Dresden auf bis zu 7,85 Meter. Die Marke wird demnach am Dienstag erreicht. Grund dafür ist den Angaben zufolge, dass Wasser aus den Talsperren am Oberlauf des Stroms in Tschechien abgelassen wird, weil die Becken sonst überzulaufen drohen. „Das war eine notwendige Maßnahme und hat für uns keine dramatischen Auswirkungen“, sagte der Leiter des Hochwasserzentrums, Uwe Höhne. „Das ist kein böser Wille von tschechischer Seite. Es ist besser, wenn das Wasser kontrolliert abfließt als unkontrolliert“, sagte. Es sei nachvollziehbar, dass Tschechien Prag und andere Städte zu schützen versuche.

Zwar kam das Anschwellen des Wasserstandes in der Nacht zum Sonntag nahezu zum Stillstand. „Von Entspannung kann aber keine Rede sein“, hieß es. Normal ist die Elbe in Dresden zwei Meter hoch. Mit dem Anstieg des Wassers, der langsamer verläuft als erwartet, wächst der Druck auf die Deiche, die rund um die Uhr von mehreren hundert Helfern beobachtet werden. „Bei der hohen Wasserführung sind die Deiche natürlich stark belastet“, berichtete Höhne.

Trotz einzelner Durchsickerungen sieht Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) derzeit keine akute Gefahr eines Deichbruchs. Die Stellen könnten abgedichtet werden, sagte er. Die Situation wird dadurch erschwert, dass die Schutzwälle gefroren waren und nun auftauen. Eine Sprecherin erklärte: „Das ist wie ein Pudding.“ Angesichts der Dauerbelastung schloss sie einen Bruch nicht generell aus. In Sachsen gibt es entlang der Elbe rund 130 Kilometer Deiche.

In Pirna und Meißen blieb die Lage angespannt. Verschärft hat sich die Situation im Landkreis Torgau-Oschatz. Dort mussten im Ort Polbitz rund 100 Menschen ihre Häuser verlassen. Der Deich um den Ort ist von Wassermassen eingeschlossen. Laut Tillich kann er daher nicht mehr stabilisiert und verteidigt werden. Auch in Sachsen-Anhalt stieg die Elbe. In Bayern deuteten die Zeichen wegen schwacher Niederschlagsmengen weiter auf Entspannung. In Tschechien, wo die Situation wesentlich dramatischer ist als auf deutscher Seite, sind im Hochwasser schon mehrere Menschen ums Leben gekommen.

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