Lage kritisch
Rumänien ordnet Zwangsevakuierungen an

Die rumänischen Behörden haben für die Hochwassergebiete entlang der Donau Zwangsevakuierungen angekündigt. Wegen strömenden Regens mussten in der Nacht zum Donnerstag in weiten Teilen des am stärksten betroffenen Gebiets im Bezirk Dolj die Sicherungsarbeiten an den Dämmen unterbrochen werden.

HB SOFIA. Die Donau hat durch die Schneeschmelze und starke Regenfälle in den vergangenen zwei Wochen fast 200.000 Hektar an fruchtbarem Ackerboden in Rumänien, Serbien und Bulgarien überschwemmt. Dies entspricht ungefähr der Fläche des Saarlandes.

„Wenn die Leute ihre Häuser nicht freiwillig verlassen, werden wir sie dazu zwingen“, sagte Constantin Oclei, der Bürgermeister der Stadt Bechetul de Vale dem Fernsehsender Antena 3. Ministerpräsident Calin Tariceanu unterstützte die Entscheidung der örtlichen Behörden: „Die Menschen müssen begreifen, dass sie sterben können“, sagte er während eines Besuches in Bistret dem Sender Realitatea. „Angesichts der Lage der Dinge fürchte ich, dass wir die Menschen zwingen müssen, ihre Häuser zu verlassen.“

In den vergangenen Tagen sind bereits rund 7000 Rumänen vor den Fluten geflüchtet. In Bechetul de Vale packten in der Nacht mehr als tausend Bewohner ihre Sachen zusammen, um rechtzeitig wegzukommen. Die Menschen bringen sich in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit, ziehen vorübergehend zu Verwandten oder nutzen bereitgestellte Armeezelte.

Bürgermeister Oclei klang am Morgen wenig optimistisch: „Wir versuchen, das Wasser mit Sandsäcken zurückzuhalten. Aber ich weiß nicht, wie lange wir die Lage noch unter Kontrolle halten können.“ Im Bezirk Dolj warteten die Helfer darauf, dass sich das Wetter nach einer stürmischen Nacht wieder besserte: „Wir konnten heute Nacht wegen des Windes und des heftigen Regens gar nichts tun, um die Dämme zu verstärken“, sagte Nicolae Giugea von der Bezirksverwaltung. „Hoffen wir, dass wir heute tagsüber etwas machen können.“

Messungen des Nationalen Wasserinstituts zufolge ist der Wasserstand der Donau in einigen Gebieten im Vergleich zum Wochenende leicht zurückgegangen oder steigt zumindest nicht weiter. Am Samstag war an der rumänisch-serbischen Grenze der höchste Stand seit 111 Jahren gemessen worden. Die Region am Unterlauf der Donau wurde erst im vergangenen Jahr stark überflutet.

Fernsehbilder zeigten auch junge Männer, die in Bistret Fußball spielten und Zigaretten rauchten, während Helfer den Deich mit Sandsäcken zu reparieren suchten. „Dort sind genug Leute. Wenn ich gebraucht werde, werde ich helfen“, sagte ein 20-Jähriger dem Privatsender N24. Ministerpräsident Calin Tariceanu rief die Menschen in den gefährdeten Gebieten dagegen auf, die Helfer bei der Verstärkung der Dämme zu unterstützen. „Ich habe gehört, dass einige Bewohner nicht helfen wollten. Ich kann ihnen sagen, dass wir dafür arbeiten, ihre Häuser zu schützen. Jede zusätzliche Hand ist willkommen“, erklärte Tariceanu im staatlichen Rundfunk.

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