Landgericht Gießen verhängt Verwarnung und droht mit Geldstrafe
Kein Pardon in Sachen Schulpflicht

Weil sie der Meinung sind, öffentliche Schulen unterwanderten ihre christlichen Erziehungsideale wie Schamhaftigkeit und Gehorsam gegenüber den Eltern, unterrichtete ein Ehepaar aus Hessen sein fünf Kinder zu Hause. Inakzeptabel, meint das Landgericht Gießen.

HB GIESSEN. Im Prozess um die Schulpflicht ihrer Kinder wurde das bibeltreue Elternpaar daher gerichtlich verwarnt. Das Gießener Landgericht verurteilte die Eltern von acht Kindern zu einer Geldbuße von 400 €. Falls die Eheleute in den nächsten zwei Jahren erneut gegen das Schulgesetz verstoßen, kämen weitere 800 € Geldstrafe hinzu, entschied das Gericht am Mittwoch. Die Kammer hob damit einen überraschenden Freispruch des Amtsgerichts Alsfeld auf.

„Staatliche Schule ist unausweichlich“, sagte die Richterin. Es sei Sache der Verwaltungsbehörden, die Schulpflicht in Zukunft auch durchzusetzen, sagte Oberstaatsanwalt Volker Uhl. Das Gericht folgte mit dem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verwarnung, die die Kammer aussprach, ist die mildeste Sanktion im Strafgesetzbuch.

Das Ehepaar Sigrid und Michael Bauer aus dem Vogelsberg hatte geklagt, öffentliche Schulen unterwanderten ihre christlichen Erziehungsideale wie Schamhaftigkeit und Gehorsam gegenüber den Eltern. Seit mehr als zwei Jahren unterrichten sie ihre fünf schulpflichtigen Kinder daher zu Hause. Alle acht Kinder des Paares - sie sind zwischen zehn Monate und 16 Jahre alt - nahmen an der Verhandlung teil. Besonders stören sich die Eheleute an der „ausschließlichen“ Weitergabe der Evolutionstheorie und an der angeblich „ständigen Konfrontation“ mit dem Thema Sexualität.

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