„Le malheur belge“
Herbe Niederlage für den Champagner

Die Belgier trinken gerne ziemlich merkwürdige Biere und werden von ihren Nachbarn, den Franzosen, gemeinhin für Trottel gehalten. Nun stehen jedoch die Spötter ziemlich dumm da, während die Bespöttelten feixen: Die EU-Justiz hat den Gralshütern des Champagnern eine herbe Niederlage bereitet.

BERLIN. Die Franzosen verstehen bekanntlich überhaupt keinen Spaß, wenn andere an ihren nationalen Kulturgütern herumfummeln. Zu den heiligsten Artikeln zwischen Ärmelkanal und Cote D' Azur wird ein bestimmter Schaumwein gerechnet, der in der „Champagne“ genannten Gegend um Reims und Épernay hergestellt wird. Das muss man wissen, um das Ausmaß der Katastrophe erahnen zu können, die am Donnerstag über die französische Nation hereingebrochen ist.

Schuld ist der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Der hatte über einen Fall zu befinden, in dem es um ein besonders merkwürdiges belgisches Bier ging, nämlich die Marke „Malheur Brut Réserve“. Das Getränk hat elf Prozent Alkohol und wird nicht nur in Sektflaschen samt Silberfolie und drahtgesichertem Korken abgefüllt, sondern nach Angaben des Herstellers auch nach der „méthode champenoise“ hergestellt – was immer das bei einem Bier im Detail bedeuten mag.

Nun ist der französische Verband der Champagnerwinzer in solchen Fällen nicht für Schüchternheit bekannt. Vor einigen Jahren hatte ein württembergischer Hersteller von Birnenschaumwein fürchterlichen Ärger mit den Franzosen bekommen, weil er sein Produkt aus der jahrhundertealten Sorte der „Champagnerbratbirne“ herzustellen und als solches anzupreisen gewagt hatte.

Zum Schutz der Bezeichnung Champagner gibt es ein ausgefeiltes Geflecht von Gesetzen, europäischen Richtlinien und internationalen Abkommen. Kein Wunder also, dass dem Unglücks-Brauer eine Klage des Champagnerwinzerverbands und der Firma Veuve Clicquot ins Haus flatterte: Schon die Verwendung der Wörter „Brut“ und „Réserve“ sei nicht nur irreführend, sondern unzulässige vergleichende Werbung.

Der Europäische Gerichtshof widersprach: Nicht jeder Vergleich, der sich von Waren ohne Ursprungsbezeichnung auf Waren mit Ursprungsbezeichnung bezieht, sei unzulässig, befanden die Luxemburger Richter in ihrem am Donnerstag verkündeten Urteil (Az.: C-381/05). Damit darf man sein Produkt, und sei es noch so profan, mit Champagner vergleichen, solange man dabei nicht versucht, den Ruf dieser Ursprungsbezeichnung auszunutzen. „Generell sind solche Vergleiche nach dem Europäischen Gerichtshof möglich“, sagt der Wettbewerbsrechtsexperte Karl Hamacher von der Kanzlei Linklaters. „Am Ende kommt es darauf an, ob man es redlich macht.“

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