Leere Stadien
Chinas Kater nach dem Olympiafest

Noch drängen Touristen in das Olympiastadion in Peking, doch schon bald könnte das Interesse nachlassen und das „Vogelnest“ verlassen dastehen, befürchten die Betreiber. Sie suchen händeringend nach einer tragfähigen Einnahmequelle für die leeren Olympia-Sportstätten. Einige müssen eventuell sogar abgerissen werden.

PEKING. Das Olympische Feuer ist erloschen, die Athleten aus aller Welt sind schon lange wieder abgereist. Aber an diesem Abend ist es nochmal ein bisschen wie vor einem Jahr, als die Olympischen Spiele in Peking mit einer bombastischen Show eröffnet wurden. Tänze, Trommeldonner und sogar ein kleines Feuerwerk. Der Rentner Wang Yongzhang ist begeistert. Im Anorak steht er vor dem gewaltigen Stahlgerüst des Nationalstadions und schüttelt fassungslos den Kopf. Auch ein Jahr nach den Spielen ist es für ihn „einfach nur toll“, an diesem Ort zu sein.

Das „Vogelnest“, wie das Pekinger Nationalstadion im Volksmund heißt, ist in Chinas Hauptstadt zum beliebtesten Touristenziel avanciert. Erstmals, so meldeten chinesische Medien, kamen dieses Jahr an einem Tag mehr Besucher zu den Olympiastätten als in die Verbotene Stadt. Und noch immer strömen die Menschenmassen täglich in das gigantische Stadion, in dem über 90 000 Besucher Platz finden.

Selbst die Betreiber überrascht der enorme Andrang. „Es kommen so viele Besucher, dass wir unseren Fokus stärker auf den Tourismus ausrichten müssen“, sagt Zhang Henli, Vize-Präsident der National Stadium Company. Bislang haben nach Olympia rund vier Millionen Menschen das Vogelnest besucht – obwohl dort seit den Olympischen Spielen bis auf ein Konzert keine Großveranstaltung mehr zu sehen war.

Um den Touristen etwas zu bieten, werden die Eröffnungsshows nachgestellt. Doch auf Dauer ist das keine tragfähige Lösung: Die Betreiber planen, die Shows täglich aufzuführen. „Wir würden gern eine abendliche Schau präsentieren, ähnlich wie die Eröffnungszeremonie“, sagt Zhang Henli. Doch bei den ersten Versuchen gab es Ärger. Anwohner beschwerten sich über den Lärm. Olympia ist schließlich vorbei.

Vor allem aber fehlt es den Vogelnest-Betreibern am Geld. Für eine tägliche Show sei eine „ganz schön große Summe“ nötig, räumt Manager Zhang ein. „Darum müssen wir einen Investor finden.“ Denn bei einem Ticketpreis von 50 Yuan – umgerechnet rund fünf Euro – ist der neue Touristen-Magnet trotz der guten Besucherzahlen nicht wirklich profitabel. Rund 20 000 bis 30 000 Eintrittskarten würden am Tag verkauft, sagt Zhang. Damit seien aber kaum die Betriebs- und Finanzierungskosten in Höhe von jährlich 17 Mio. Euro gedeckt.

Der Traum, das Vogelnest zur großen Sportarena zu machen, hat sich nicht erfüllt. Mit der italienischen Liga wird verhandelt, auch über eine Bewerbung zur Fußball-WM wird immer wieder spekuliert. „Wir wollen ganz große Wettbewerbe“, stellt Zhang klar. Bloß Spielort für den von Korruptionsskandalen gebeutelten chinesischen Fußball zu werden, der erneut ohne jede Chance auf eine WM-Teilnahme ist, das habe das wunderbare Stadion nun wirklich nicht verdient, sagt Zhang.

Seite 1:

Chinas Kater nach dem Olympiafest

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%