Lehrer redet Klartext
„Ihr wurdet verhätschelt und verwöhnt“

Ihr seid nichts Besonderes: Ein Lehrer an einer elitären US-Highschool redete auf der Abschlussfeier seiner Schüler Klartext. Jetzt ist er landesweit bekannt. Offenbar hat er vielen aus dem Herzen gesprochen.
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Es beginnt so harmlos-langweilig wie eine der Tausenden Reden, die wohlwollend über Schulabgänger im ganzen Land herabregnen. „Ich habe das Privileg, sprechen zu dürfen, ich fühle mich geehrt und dankbar“, sagt der Englischlehrer David McCullough Jr. – und ist froh, die Floskeln hinter sich gebracht zu haben. Um dann so schnell wie möglich zu seiner eigentlichen Aussage zu kommen, die doch ziemlich besonders für solcherlei Reden ist: „Bildet euch nicht ein, ihr wärt etwas Besonderes. Denn ihr seid es nicht!“

Es ist Freitag vergangener Woche, Abschlussfeier der elitären High School in Wellesley, einem gut situierten Vorort von Boston, als McCullough den vor ihm aufgereihten Teenagern diese Worte um die roten Quadrat-Hüte schlägt. Die Rede ist inzwischen Amerika-weit berühmt, TV-Sender berichten, bei Youtube hat das Video mittlerweile eine halbe Million Klicks. Die Botschaft des Englischlehrers, in sanftem Ton vorgetragen und von Lachern unterbrochen, scheint vielen aus dem Herzen zu sprechen.

„Ihr wurdet verhätschelt, verwöhnt, umschwärmt, geschützt“, sagt also McCullough, die staunenden Eltern im Hintergrund. „Fähige Erwachsene, die andere Sachen zu tun haben, haben euch gehalten, geküsst, gefüttert, euren Mund abgewischt, euren Hintern abgewischt, euch trainiert, Nachhilfe gegeben, euch zugehört, beraten, ermutigt, getröstet und wieder ermutigt“. Und in der Zwischenzeit sei das wohlerzogene Kind zu einer Art „Statussymbol“ geworden.

Deshalb hätten die Jugendlichen auch bisher geglaubt, sie gehörten durch ihre gute Schule und das gute Elternhaus zu den besten, so McCullough, „damit wir uns besser fühlen und uns zur Elite zählen können“. Doch auf einem Planeten mit 6,8 Milliarden Bewohnern gebe es rein statistisch „immer 7000 Menschen, die genauso sind wie ihr“. „Wenn jeder etwas Besonderes ist, ist es niemand“, sagt McCullough, Sohn des gleichnamigen Historikers und Schriftstellers.

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„Ihr wurdet verhätschelt und verwöhnt“

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„Fahrt nicht nach Paris, um es von irgendeiner Liste zu streichen“

Kommentare zu " Lehrer redet Klartext: „Ihr wurdet verhätschelt und verwöhnt“"

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  • Absolut korrekt, Stephen, ich habe auch die ganze Zeit darauf gewartet, wo denn das 'Bashing' beginnen soll. Dieser Lehrer hat eine ausgezeichnete, motivierende, und für die jungen Leute verständliche Abschluß-Rede gehalten, leider hat der Autor des Artikels diese nicht wirklich verstanden. "you are not special, because everyone is!" Das ist kein Vorwurf, sondern eine Bestätigung, und öffnet die Augen für den Anderen! So sollte eine Abschlußrede sein. Hut ab!

  • Hatte der Autor hier Probleme bei dem verstehen der englischen Sprache? Ich habe vor zehn Minuten genau dieses Video gesehen und für mich hatte die Rede eine ganz andere Aussage, als hier vom Autor impliziert wird.

    Definitiv falsch übersetzt wurde:"Doch auf einem Planeten mit 6,8 Milliarden Bewohnern gebe es rein statistisch „immer 7000 Menschen, die genauso sind wie ihr“.

    Wieso sollte es denn statistisch gesehen immer 7000 Menschen geben die genauso wie ich sind und nie mehr oder weniger?

    Die wahre Formulierung lautete: "Even if you are one in a million, on a planet of 6.8 billion that means that there are 7000 people just like you."

    Hier bedient sich der Referent nur dem Ausdruck: "One in a Million" und legt da, dass selbst wenn man aus einer Million heraussticht das immer noch 7000 andere machen.

    Abgesehen von diesem Zitat, stimme ich auch nicht mit dem Grundton des Artikels ein. Hier wird nicht "Klartext" geredet und den Absolventen vorgeworfen wie schlecht und unwichtig sie sind. Besonders der letzte Satz macht das klar und zeigt, dass dieser Artikel volkommen an dem Sinn der Rede vorbeigeht.

    "You are not Special, because everyone is"

  • Der Aufprall wird um so härter sein, wenn dieser
    Rettungsschirm nicht mehr finanzierbar ist.
    Noch bis zum 22. Juni 2012 Protest [...] einreichen!! [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

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