Letzte Christiansen-Sendung
Die „mächtigste Fernsehfrau“ tritt ab

Talk-Queen Sabine Christiansen nimmt am Sonntag Abschied aus der ersten Reihe des deutschen Fernsehens. Mehr als 400 Mal ging sie mit ihrem "Ersatzparlament" auf Sendung. Politiker nahmen die Runde in der „Blauen Kugel“ in Berlin sehr wichtig. Unumstritten waren die Sendung und ihre Moderatorin allerdings nicht.

HB FRANKFURT. Zwar gibt es Planungen für neue Sendungen bei der ARD, aber als „mächtigste Fernsehfrau“ in Deutschland, wie „Die Zeit“ sie beschrieben hat, tritt die 49-Jährige mit der 447. Ausgabe ihrer Talkshow „Sabine Christiansen“ nach neuneinhalb Jahren ab. Ein Comeback mit einem ähnlichen Format hat sie ausgeschlossen. Sie will mehr Zeit mit ihrem französischen Lebensgefährten Norbert Medus in Paris verbringen; im Herbst wird laut ARD Hochzeit gefeiert und übrigens auch ihr 50. Geburtstag.

Die große Liebe hat sie sichtbar verändert. Selbst die Fernsehzuschauer, die von ihr nur die beherrscht-sachliche Fassade kennen, erleben sie strahlend, dynamisch und offen wie nie zuvor. Die Entscheidung, aufzuhören, habe sie „vor langer Zeit“ gefällt, sagte sie vor kurzem in einem Interview des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“. Sie wies damit Medienberichte zurück, dass es kein freiwilliger Abschied sei. ARD-Programmdirektor Günter Struve hatte bei der Bekanntgabe am 23. Juni 2006 ebenfalls erklärt, Sabine Christiansen habe den Wunsch geäußert, den Vertrag zu beenden. Es sei gelungen, sie zu überreden, noch bis zur Sommerpause 2007 weiterzumachen.

Die ARD feiert eine Erfolgsstory: „Sabine Christiansen“ sei seit der ersten Sendung am 4. Januar 1998 der Marktführer im politischen Talk, werde im Durchschnitt von rund 4,4 Millionen Menschen gesehen, und der Marktanteil liege über 16 Prozent. Zwölf Prozent hatte die ARD als Erfolgsmaßstab vorgegeben. Diese Marke hat die Sendung auch an den letzten Sonntagen überschritten.

Politiker nahmen die Runde in der „Blauen Kugel“ in Berlin äußerst wichtig: In der 250. Sendung sagte der damalige stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz: „Diese Sendung bestimmt die politische Agenda in Deutschland mittlerweile mehr als der Deutsche Bundestag.“ Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte sie als „Ersatzparlament“.

Dabei kam trotzdem selten wirkliche Spannung auf. „Politiker verstecken sich immer häufiger hinter Phrasen“, klagte Christiansen schon in ihrer Frühzeit als Talk-Moderatorin: „Das Schlimmste ist, wenn sie nur ihre bekannten Standpunkte loslassen, aber kein gemeinsames Gespräch entsteht.“

Es waren eher internationale Größen, die Höhepunkte ihrer Sendung setzten: Kofi Annan, die Clintons, Condoleezza Rice, Bill Gates und Tony Blair. Als ihren Wunschgast nannte sie George W. Bush. Ihm saß sie im Mai 2006 gegenüber, und die Hartnäckigkeit, mit der sie den US-Präsidenten interviewte, beeindruckte auch Kritiker.

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