Limburg und die Folgen
„Würde des Bischofsamtes am Boden“

Seit der verordneten Auszeit für den umstrittenen Limburger Bischof ist nur scheinbar etwas Ruhe im Bistum eingekehrt. Die Frage nach der Zukunft der Diözese bewegt weiter die Gemüter.
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FrankfurtWie geht es weiter im Krisen-Bistum Limburg? Und wie mit der katholischen Kirche? Auf der Suche nach Antworten stehen die Gläubigen Schlange: In Scharen kommen sie am Dienstagabend zu einem Diskussionsforum ins Frankfurter „Haus am Dom“. So voll ist es, dass viele draußen bleiben müssen, während es drinnen ums „Aufräumen nach dem Knall“ in der Limburger Diözese geht. Die Gesprächsrunde ist sich einig: Ohne Veränderungen geht es dabei nicht.

„Wir brauchen eine klarere Beschreibung des bischöflichen Amtes“, fordert Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Die überwiegende Mehrheit der Oberhirten übe dieses zwar mit Nachsicht, Respekt und Verantwortung aus. Aber: „Es gibt Menschen, die Bischof werden, die ein völlig überzogenes bischöfliches Selbstbild haben.“

Die „Causa Bischof Tebartz-van Elst“ werde weitreichende Folgen haben, sagt der Kirchenrechter Thomas Schüller. Folgen für das Verhältnis von Staat und Kirche und für das zwischen Bischöfen und Gläubigen. „Wir müssen die Würde des Bischofsamtes wieder schützen, die ist am Boden.“

Der Skandal um die Kosten für den neuen Limburger Bischofssitz und die heftige Kritik an der Amtsführung des derzeit beurlaubten Franz-Peter Tebartz-van Elst hat nicht nur das Bistum, sondern auch die katholische Kirche in Deutschland insgesamt in eine Krise gestürzt. Zusätzlicher Ärger für den Bischof kommt aus Hamburg, wo die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen ihn beantragt hat - wegen Falschaussage. Tebartz-van Elst hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, er hält sich derzeit in einem Kloster in Niederbayern auf.

Alle diese Vorgänge haben die Gemüter im Bistum erhitzt. Das ist auch beim Frankfurter Diskussionsabend zu spüren, zu dem die Gruppe „Kirche und Wissenschaft“ geladen hat. Fürsprecher des Bischofs finden sich nicht unter den Gesprächsteilnehmern - das kritisiert ein Zuschauer heftig und erntet dafür Buhrufe.

Einer der schärfsten Kritiker des Bischofs, der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, ist dagegen bei der Diskussionsrunde dabei. Er sagt: „Wir brauchen Bischöfe, die den Gläubigen vertrauen.“ In der derzeit schwierigen Situation baue er auf den Papst. Dieser möge bald über die weitere Zukunft des Bistums entscheiden - und dann das Domkapitel mitreden lassen. „Wir dürfen aus einem Dreiervorschlag des Papstes einen Bischof wählen. Und ich bitte den Papst, (...) wenn der Tag gekommen ist, dass er uns dieses Recht auch lässt“, sagt zu Eltz, der Mitglied des Limburger Domkapitels ist. Für seine Worte bekommt er langen Applaus von den rund 500 Gästen.

Die Diskussionsrunde fordert vor allem auch Transparenz in der katholischen Kirche. Der „FAZ“-Redakteur Daniel Deckers betont: „Mir geht es um eine Kultur des Rechts in der Kirche. Mir geht es um eine Kultur des guten Regierens in der Kirche und mir geht es um eine Kultur der Rechenschaftspflicht in der Kirche - und zwar aller gegenüber allen.“

Von den Gläubigen und Gremien wünscht sich die Runde mehr Mut zum Nein-Sagen. Kirchenrechtler Schüller geht davon aus, dass sich etwas bewegt: „Auf der Folie der Limburger Ereignisse werden die Leute sagen: Wir wollen jetzt mitreden.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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