Litauisches Strafgericht geht von absichtlichem Totschlag aus
Fall Trintignant: Cantat muss acht Jahre ins Gefängnis

Der französische Rocksänger Bertrand Cantat soll wegen des gewaltsamen Todes seiner Geliebten Marie Trintignant für acht Jahre ins Gefängnis. Ein litauisches Strafgericht befand den 40-Jährigen am Montag des „absichtlichen Totschlags“ für schuldig. Es entsprach damit weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die den schwerwiegendsten Tatvorwurf des litauischen Strafrechts gewählt hatte. Dieses kennt den „Mord“-Begriff deutscher Gesetze nicht.

HB VILNIUS. Die drei Berufsrichter sahen es als erwiesen an, dass Cantat die Folgen seiner Schläge im Streit gegen Trintignant absehen konnte und der im Koma liegenden französischen Schauspielerin nur verspätet Hilfe leistete. „Die Schuld des Angeklagten ist unzweifelhaft.“ Die acht Monate Untersuchungshaft seien nicht anzurechnen.

Die Verteidiger des Sängers der Kultband Noir Désir („Schwarzes Begehren“) hatten auf „fahrlässige Tötung“ plädiert und kündigten Berufung an. Staatsanwaltschaft und Nebenklage, vertreten durch Maries Mutter, der Regisseurin Nadine Trintignant, äußerten sich nicht zu einer möglichen Berufung.

Trintignant war im vergangenen Sommer für den Fernsehfilm „Colette“ in Litauen. Nach Abschluss der Dreharbeiten kam es zwischen dem Liebespaar im Hotelzimmer zu einem handgreiflichen Streit. Offenbar aus Eifersucht verprügelte Cantat seine Freundin. Die 41-Jährige erlitt dabei so schwere Kopfverletzungen, dass sie trotz mehrerer Notoperationen am 1. August 2003 bei Paris starb. Cantat gab vor Gericht „vier Ohrfeigen“ zu und entschuldigte sich mehrfach. Die Staatsanwaltschaft wies ihm brutale Schläge nach.

Die Gewalttat zwischen den beiden prominenten französischen Künstlern hatte weit über Frankreichs Grenzen hinaus große Aufmerksamkeit erregt. Marie Trintignant war die Tochter des Künstlerpaars Nadine und Jean-Louis Trintignant. Ihre Beerdigung war vom französischen Fernsehen live übertragen worden. Cantat hat als Sänger der Rockband Noir Désir in Frankreich viele Fans.

Internationale Beobachter stuften die vier Verhandlungstage und das Urteil als „ausgewogen und fair“ ein. Diplomaten hatten den Prozess in der litauischen Hauptstadt Vilnius im Vorfeld auch als Test gesehen, in dem sich die Gerichtsbarkeit des zukünftigen EU- Mitglieds Litauen beweisen müsse. Verteidigung und Nebenklage wurden durch französische Anwälte verstärkt, alle Aussagen übersetzt.

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