Liveblog Orkan „Xaver“
Bahnverkehr beeinträchtigt, drei Tote in Polen

Der Orkan „Xaver“ hat in der Nacht in Deutschland gewütet. Während die Bahn mit den Folgen des Sturms kämpft, nehmen die Hamburger die heftige Sturmflut gelassen. Der Liveblog zum Orkan.
  • 8

+++Bahnverkehr weiter eingeschränkt+++

Der Orkan „Xaver“ hat auch den Bahnverkehr hart getroffen. Auf den Strecken nördlich von Hamburg fuhr fast kein Zug mehr, das sollte bis Freitagabend so bleiben, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Im Fernverkehr waren am Morgen auch die Linien Hamburg-Hannover und Berlin-Hamburg mehrere Stunden gesperrt, weil der Sturm Bäume umgeknickt hatte, die auf die Schienen fielen. Einige Fahrgäste mussten auf halber Strecke in Busse umsteigen. Die Fernzüge von Hamburg Richtung Kiel, Flensburg, Husum und Dänemark sollten voraussichtlich den ganzen Freitag nicht fahren. Andere Züge wurden umgeleitet, was zu großen Verspätungen führte. Alle gesperrten Strecken in Nordrhein-Westfalen und Sachsen waren nach Bahnangaben am Freitagnachmittag wieder freigegeben.

+++Schaden noch nicht abschätzbar+++

Nach dem Orkan lassen sich die finanziellen Folgen des Sturms noch nicht abschätzen. Nach Angaben von Munich Re ist es dafür noch zu früh. Aber dass noch keine großen Katastrophen gemeldet wurde, bewertet der Rückversicherer positiv. „Xaver“ zeige deutlich die Wichtigkeit von vorbeugenden Maßnahmen wie Küstenschutz oder Warnsystemen: Hamburg hat nach der verheerenden Sturmflut von 1962 auf heutige Werte umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert, sagte der Sprecher. Nach 1962 habe es inzwischen fünf Sturmfluten gegeben, die die Pegelstände von 1962 überschritten haben, aber weit weniger Schäden anrichteten. Nach einer Simulation der Munich Re haben die Schutzmaßnahmen Schäden in Höhe von rund 17,5 Milliarden Euro verhindert.

+++„Xaver“-Sendungen locken Millionen Zuschauer vor die Bildschirme+++
Nichts anderes hat die Fernsehzuschauer am Donnerstagabend so sehr interessiert wie Orkan „Xaver“, der über Norddeutschland fegte. 7,71 Millionen Zuschauer schalteten um 20.15 Uhr in der ARD den größten Quotenhit „Brennpunkt“ ein. Das entspricht einem Marktanteil von 23,9 Prozent. Das „ZDF spezial“ um 19.20 Uhr zu dem Sturm erreichte 5,22 Millionen Menschen (19,3 Prozent). Das „heute-journal“ um 21.45 Uhr verfolgten später 6,12 Millionen (21,9 Prozent). Auch die Nachrichtensender n-tv und N24 sowie das NDR-Regionalfernsehen verzeichneten ungewöhnlich gute Quoten. „1,73 Millionen Zuschauer schalteten allein die Regionalmagazine um 19.30 Uhr ein – der höchste Wert seit 20 Jahren“, berichtete ein NDR-Sprecher.

+++Drei Tote in Polen und Hunderttausende ohne Strom nach „Xaver“+++

Als Folge von Orkan „Xaver“ sind am Freitag in Polen mehr als 400.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten gewesen. Vor allem dem Westen des Landes brachte der Sturm am Freitag chaotische Verhältnisse. Drei Menschen starben in der Region Pommern, als ein Baum auf ihr Auto fiel. Eine Frau konnte laut Feuerwehr verletzt aus dem Fahrzeug geborgen werden. Auf dem Flughafen Danzig (Gdansk) wurden am Morgen sämtliche Flüge gestrichen. Die Fluggesellschaft LOT strich wegen des Sturms unter anderem Flüge von Breslau (Wroclaw) nach München und Frankfurt. An vielen Schulen in Pommern fiel der Unterricht aus. Bis weit in den Freitag hinein wurden heftige Sturmböen erwartet.

+++Spitzengeschwindigkeiten von „Xaver“ laut Deutschem Wetterdienst+++

- Glücksburg (Schleswig-Holstein) - Ortsteil Meierwik: 158 km/h - Brocken (Harz/Sachsen-Anhalt) 155 km/h - Spiekeroog (Ostfriesland/Niedersachsen): 148 km/h - List auf Sylt (Nordfriesland/Schleswig-Holstein): 148 km/h - Fichtelberg (Erzgebirge/Sachsen): 144 km/h - Leuchtturm Kiel (Schleswig-Holstein): 144 km/h - Strucklahnungshörn (Nordfriesland/Schleswig-Holstein): 140 km/h - Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) Stadtteil Warnemünde: 137 km/h - Büsum (Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein): 137 km/h


+++Bahnlinie Berlin-Hamburg wieder frei+++

Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin ist nach einer Sperrung wegen umgestürzter Bäume wieder frei. Das teilte ein Bahnsprecher am Vormittag in Berlin mit. Im Orkan „Xaver“ war auch auf die Strecke Hannover-Hamburg ein Baum gefallen. Sie sei inzwischen wieder eingleisig befahrbar, noch im Laufe des Vormittags solle auch das zweite Gleis freigeräumt werden, teilte der Sprecher mit. Nördlich von Hamburg bleibe der Fernverkehr voraussichtlich den ganzen Freitag eingestellt.

+++Stromausfälle in Westmecklenburg durch „Xaver“+++

Rund 4000 Haushalte und Unternehmen im westlichen Mecklenburg sind wegen des Orkans „Xaver“ seit Freitagmorgen ohne Strom. Besonders betroffen seien die Bereiche Bützow und Gadebusch, wie der regionale Energieversorger Wemag in Schwerin mitteilte. Die Ursache der Störung werde gesucht, was durch die Wetterlage aber erschwert sei.

+++Kann man machen: Der „Xaver“-Style von der Waterkant+++

Während eine Tagesschau-Reporterin ein Schaltgespräch an der Nordsee führt, tanzen zwei Männer im Hintergrund mit nacktem Oberkörper den „Xaver“-Style. Die Norddeutschen zeigen in Sachen Wetter einmal mehr Nehmerqualitäten und lassen sich auch von einem Orkantief nicht die Laune vermiesen.

+++Keine großen Schäden in den Niederlanden+++

Der schwere Sturm „Xaver“ hat in den Niederlanden keine großen Schäden hinterlassen. Das teilten die Behörden am Freitag mit. Die Nordsee stieg gegen 4 Uhr in der südwestlichen Provinz Zeeland auf 3,99 Meter, und damit den höchsten Stand seit einer Sturmflutkatastrophe von 1953. Rund 100 Inspekteure hatten die Deiche in der Nacht kontrolliert, teilte die Wasserbehörde mit. Vorsorglich waren die Schleusen der Flut-Wehr „Oosterscheldekering“ am Vorabend geschlossen worden. Zu vereinzelten Überschwemmungen kam es in Rotterdam und Dordrecht. Der Zugverkehr im Norden der Niederlande, der gestoppt worden war, wurde am Morgen wieder aufgenommen.

Kommentare zu " Liveblog Orkan „Xaver“: Bahnverkehr beeinträchtigt, drei Tote in Polen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Polen hätten in Schlesien und in Westpreußen schon mal die Freileitungen durch Erdkabel ersetzen können...

    ...68 Jahre nichts erneuert, Mannomann.

  • Das bisschen Wind? Lenkt von der sonstigen Lügerei ab, gelle.
    Sie haben hier noch nie Wind erlebt. Das bisschen Gepuste ist jämmerlich, live aus Hamburg. Was für ein erbärmlicher Aufriss, ich bin draußen - alles halb so wild.
    1000 Jahre am Haus nix machen und dann den bisschen Wind die Schuld geben?

  • "Xaver wütet mit geballter Kraft"
    ___________________________________

    So ist das nun mal, wenn Ariel den Schmutz rausmacht...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%