Liveticker
Spuren von Radioaktivität im Trinkwasser Tokios

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Die Arbeiter am stark beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I stemmen sich fieberhaft gegen den GAU. Während der Rettungsarbeiten hat eine Nachbeben die Millionenmetropole Tokio erneut erschüttert. In Lebensmitteln und im Grundwasser Nahe des AKW wurde außerdem eine erhöhte Radioaktivität gemessen. Die wichtigsten Ereignisse und Reaktionen im Überblick.

+++15.22 Uhr+++

Deutsche Bergungsspezialisten sollen am Samstag aus Japan zurückkehren. Die 41 Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) werden gegen 21.00 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt landen, teilte das THW in Bonn mit. Die Helfer hatten seit Montag in der Präfektur Miyagi nach Verschütteten gesucht. Sie hatten ihren Einsatz abgebrochen, weil es praktisch keine Chance mehr auf Überlebende gab.

An Bord der Maschine sind auch 21 Rettungskräfte aus der Schweiz, zwölf Rettungshunde und 20 Zivilisten, darunter fünf Deutsche. Das Flugzeug soll zunächst in Manchester und Zürich landen. Die THW-Spezialisten gehören zum Team Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA). Zwei Helfer seien noch in Japan, um die Deutsche Botschaft zu unterstützen, teilte das THW mit.

+++15.07 Uhr+++

Zum Schutz vor radioaktiver Strahlung aus Japan ergreift Deutschland eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen. Wegen der verheerenden Ereignisse im Atomkraftwerk Fukushima sei zwar nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung der Bevölkerung zu rechnen,teilte das Umweltministerium am Samstag mit. Da aber eine radioaktive Belastung der Außenhülle von Flugzeugen aus Japan möglich sei, würden Vorbereitungen zur Messung und gegebenenfalls einer Dekontamination der Maschinen getroffen. Das Ministerium bereite eine Eilverordnung zur Festlegung von Grenzwerten für Flugzeuge vor.

Zudem würden Importgüter wie Fahrzeuge und Unterhaltungselektronik, die aus Japan nach Deutschland kämen, stichprobenartig bei der Einfuhr auf Radioaktivität überprüft, erklärte das Ministerium weiter. Entsprechende Anweisungen seien vom Bundesfinanzministerium an den Zoll ergangen. Zum Schutz von Schiffspersonal empfehle die Strahlenschutzkommission Schiffen, die Nähe des Standortes Fukushima zu meiden und möglichst großräumig zu umfahren. Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I droht nach dem schweren Erdbeben eine atomare Katastrophe.

+++14.42 Uhr+++

Im Trinkwasser von Tokio sind nach Angaben der Regierung geringe Mengen von radioaktivem Jod nachgewiesen worden. Die Radioaktivität sei mit 1,5 Becquerel pro Kilogramm gemessen worden, verglichen mit einem zulässigen Höchstwert von 300 Becquerel pro Kg für Lebensmittel.

+++13.10 Uhr+++

Japan stoppt nach Angaben der IAEA den Verkauf von Lebensmittelprodukten aus der Präfektur Fukushima. Radioaktives Jod in der Nahrung könnte kurzfristig die menschliche Gesundheit gefährden, heißt es. Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf einen Vertreter des Wissenschaftsministeriums wurden auch im Leitungswasser der Hauptstadt Tokio erhöhte Werte von radioaktivem Jod nachgewiesen.

+++12.25 Uhr+++

Nach dem Erdbeben und dem Tsunami am Freitag vergangener Woche geben die japanischen Behörden die offizielle Zahl der Todesopfer inzwischen mit 7.348 an. Vermisst werden demnach 10.947 Menschen. Einige der Vermissten könnten außerhalb der betroffenen Regionen gewesen sein, als sich die Katastrophe ereignete. Andererseits könnte eine bislang unbekannte Zahl von Opfern nach dem Tsunami von der Rückwelle aufs Meer hinaus gespült worden sein.

+++12.07 Uhr+++

Die Radioaktivität in Japan außerhalb der kritischen Zonen rund um die Atomanlage Fukushima ist nach Erkenntnissen der Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) minimal. Nach Angaben eines Diplomaten in Wien haben Messungen der CTBTO ergeben, dass die Radioaktivität 100 Millionen bis eine Milliarde Mal unter den als gesundheitsgefährdend geltenden Grenzwerten liegt. Die Messungen wurden am Freitag in Takasaki in Japan, rund 330 Kilometer südwestlich des Kernkraftkomplexes von Fukushima vorgenommen. Auch auf der russischen Kamtschatka-Halbinsel und in Sacramento in Kalifornien seien minimale Radioaktivitätswerte gemessen worden.

Die CTBTO hat die Aufgabe, Atomtests weltweit zu überwachen. Dazu unterhält sie ein weltumspannendes Netz von Messstationen, die auch Radioaktivität von nuklearen Unfällen wie die Katastrophe von Fukushima erfassen können.

+++11.57 Uhr+++

Die Lage im schwerbeschädigten Atomkraftwerk Fukushima in Japan scheint sich leicht zu stabilisieren. Techniker meldeten am Samstag erste kleine Erfolge. Die Situation in dem am schlimmsten betroffenen Block 3 verbesserte sich etwas. Löschfahrzeuge besprühten den Reaktor stundenlang mit Kühlwasser. Auch Regierungssprecher Yukio Edano erklärte, die Situation stabilisiere sich etwas. Zuvor gelang es Technikern, ein Stromkabel wieder bis ans AKW heran zu legen.

Die Reaktorblöcke 5 und 6 werden inzwischen über zwei Diesel-Generatoren mit Strom versorgt. Erst wenn der gesamte Komplex wieder ans Netz angeschlossen ist, entscheidet sich, ob die Wasserpumpen noch funktionsfähig sind und dazu benutzt werden können, Brennstäbe kühlen können. Anderenfalls droht eine Kernschmelze.

Unterdessen scheint sich die Strahlungsbelastung rund um das Kernkraftwerk, das 240 Kilometer von der Hauptstadt Tokio entfernt liegt, zu erhöhen. Erstmals wurde laut Edano eine erhöhte Radioaktivität in Spinat und Milch nachgewiesen. Von diesen höheren Werten gehe weiterhin keine Gefahr für die menschliche Gesundheit aus, betonte der Regierungssprecher.

+++11.01 Uhr+++

Tokio wird von einem Nachbeben erschüttert und bringt die Gebäude zum Wanken. Laut japanischen Medien handelt es sich um ein Beben der Stärke 6,1. Ein erneuter Tsunami werde jedoch nicht befürchtet.

+++09.56 Uhr+++

Ein Stromkabel ist nach tagelangen Arbeiten mit dem Reaktorblock 2 des Kernkraftwerks Fukushima verbunden worden. Dies berichtet die japanische Atomaufsicht. Es sei aber noch kein Strom durch das Kabel geleitet worden. Mit der Leitung soll das Kühlsystem des Reaktors wieder gestartet werden, um eine Kernschmelze im großen Stil zu verhindern.

+++08.32 Uhr+++

Am Reaktor 3 des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Eins ist nach Angaben der japanischen Regierung eine Verbesserung zu beobachten. „Wir glauben derzeit, dass sich die Situation stabilisiert hat“, sagte Regierungssprechers Yukio Edano. Die Kühlaktionen von außen hätten eine Wirkung gehabt. Es sei mehr Wasser in Reaktor 3 festgestellt worden. Seit Samstagmittag (Ortszeit) sind Armee und Feuerwehr dabei, tonnenweise Meerwasser auf Reaktor 3 zu versprühen.

Wie der Fernsehsender NHK berichtete, soll die Aktion noch mehrere Stunden weitergehen. Am Ende würden dann 1260 Tonnen Wasser auf Reaktor 3 entladen sein. Das helfe, die Temperatur zu senken und zu verhindern, dass radioaktive Strahlung nach draußen gelange. Auch Reaktor 4 solle in Kürze von außen mit Wasser gekühlt werden, sagte Edano. Gleichzeitig versuchen Techniker, die eigene Kühlung des Kraftwerks wieder in Gang zu setzen. Dafür muss zunächst die Stromversorgung wiederhergestellt werden.

+++08.00 Uhr+++

Spinat aus der Umgebung des defekten Atomkraftwerks Fukushima Eins in Japan ist radioaktiv verstrahlt. In den Pflanzen seien hohe Strahlenwerte festgestellt worden, erklärte ein Regierungsbeamter nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo vom Samstag. Drei Viertel der untersuchten Agrarprodukte seien verseucht. Eine Gesundheitsproblem für die Bevölkerung bestehe deshalb aber nicht, hieß es. Der Regierungssprecher wollte dazu später nähere Einzelheiten bekanntgeben.

+++07.35 Uhr+++

Die Reaktoren im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Eins sollen weitere sieben Stunden von außen mit Wasser gekühlt werden. Am Ende würden dann mehr als Tausend Tonnen Wasser versprüht sein, berichtete der Sender NHK am Samstag. Das helfe, die Temperatur und die radioaktive Strahlung zu senken. Es sei aber nur eine vorübergehende Lösung. Techniker arbeiten weiter daran, die Stromversorgung des Kraftwerks wieder herzustellen.

+++06.41 Uhr+++

An Block 3 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Eins hat am Samstagmittag (Ortszeit) ein neuer Kühlversuch begonnen. Feuerwehrleute richteten die Wasserkanonen ihrer Spezialfahrzeuge auf den zerstörten Reaktor, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Bereits am frühen Samstagmorgen hatten die Einsatzkräfte 25 Minuten lang 90 Tonnen Wasser auf die Anlage regnen lassen. Anders als in den Nachbarreaktoren lagert im Innern der Ruine von Block 3 auch das hochgefährliche Plutonium. Es wird befürchtet, dass der Wasserstand in dem Becken für Brennstäbe bedrohlich niedrig ist.

+++06.30 Uhr+++

Zumindest von einem der Reaktoren im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins gibt es gute Nachrichten: In Block 5 sinkt die Temperatur im Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag unter Berufung auf den AKW-Betreiber Tepco meldete. Jedoch haben Reaktor 5 und 6 bisher auch die wenigsten Sorgen bereitet: Sie werden laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA mit dem Notstromdiesel des Blocks 6 gekühlt. Bei beiden Anlagen gebe es „keine unmittelbaren Bedenken“.

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  • @josefhirsepp
    Na das ist mal ein schöner kräftiger Kommentar. Und viel Wahres drin. Danke!

  • IAEA: es ist eine Sauererei, dass das ganze Ausmass nicht detailiert mit den kurs- und langfristigen Auswirkungen der einzelnen Einflussgroessen nach aussen fuer uns verstaendlich dargestellt wird, erzwungen durch durch die IAEA, WHO, UNO etc. !

    Wir haben hier mit unterschiedlichsten ionisierenden Strahlungen zu tun, die sich ueber Grundwasser, Meer, Fische, Nahrungsmilttel, Wind lokal und global ausbreiten!
    Wenn der Fallout von Plutonium Partikeln so gefaehrlichist, warum wird der Dreck nicht konzentriert ueber Japan ausgewaschen? Anscheinend war der Standort am Pazific mit grossem Bedacht so gewaehlt worden, damit die Sauerei raus auf's Meer gespuelt wird...und die duckmaeuserigen Japaner dann weiterhin eine Rechtfertigung anbringen koennen, Wale aus wissenschaftlichen Zwecken -z.B. Auswirkung des Nuklearunfalles auf die Zeugungsfaehigkeit von Pottwalen- zu fangen und zu verspeisen...
    Bloeffen und Tricksen bei einem Gesichtsausdruck, als ob die vollgeschissene Pampers noch in der Hose steckt, das ist keine ueberzeugende Informationspolitik! Anstatt den YEN zu stuetzen sollten wir die Jap. Produkte beukottieren, nur so werden die Hinterfotzigen KOPIER-MEISTER mit dem 20ten DAN dann global teamfaehig!
    Versuchen Sie 'mal den Japanischen Autoherstellern die im Ausland produzieren, lokale Produkte zu verkaufen,z.B. in Europa, USA, MEX, BRASILIEN, Thailand....ja die werde Ihnen was vorhusten....aber umgekehrt invadieren sie in MAerkte zu Dumpingpreisen ohne Gewinnabsichten und wir subventionieren nun dies auch noch....Wahnsinn!

  • Wie kommt man eigentlich auf dieses New Madrid Fault Zeugs?!
    Ich hab nicht gerade viel darüber finden können und schon gar nicht wieso jetzt genau am 20/21 Mai nen Beben kommen sollte...steht der Tag in irgendeinem Maya Kalender oder wo kommt der her?

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