Loeffler-Institut warnt
Neue Vogelgrippe-Welle droht

Gut ein halbes Jahr nach dem ersten Vogelgrippe-Alarm wegen H5N1 in Deutschland hat das Friedrich-Loeffler-Institut vor einer neuen Seuchenwelle gewarnt. Unterdessen ist in Indonesien ein weiterer Mensch an der Seuche gestorben.

HB BERLIN. Experten bereiten sich auf ein Wiederausbrechen der Vogelgrippe in Deutschland im Herbst vor. „Die Gefahr eines neuen Ausbruchs ist hoch“, sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter, der „Berliner Zeitung“. Das auch für den Menschen gefährliche H5N1-Virus befinde sich nach wie vor in der Wildvogelpopulation, was nicht zuletzt das Auftreten der Krankheit in einem Dresdener Zoo vor kurzem gezeigt habe. Laut Mettenleiter ist damit zu rechnen, dass die Überwachung von Wildvögeln verstärkt wird.

„Man kann eine Verschärfung der Lage durch den Herbstvogelzug nicht ausschließen“, betonte der Chef des für Tierseuchen zuständigen Instituts. Die Konzentration an Vögeln nehme dann wieder zu, die Bedingungen für eine Ausbreitung des Virus seien günstiger. Außerdem könne der Erreger bei kälteren Temperaturen besser überdauern. Der Experte rechnet damit, dass die gleichen Gebiete wie im Frühjahr betroffen sein werden: Landstriche in der Nähe von Seen oder Flüssen, wo sich viele Wildvögel zur Rast aufhalten, aber auch die Nord- und Ostseeküste. Auf Rügen, wo im Frühjahr der erste Vogelgrippefall in Deutschland entdeckt worden war, und auf Hiddensee wurden in den letzten Tage die Sicherheitsmaßnahmen bereits wieder verstärkt. Zum Teil herrscht striktes Freilaufverbot.

Der erste Vogelgrippefall Deutschlands war am 14. Februar nachgewiesen worden. Die FLI-Seuchenexperten, die die Verdachtsfälle untersuchen, zählten bis Mai etwa 340 Fälle bei Wildvögeln. Im April brach die Vogelgrippe zum bislang einzigen Mal in Deutschland auf einem Geflügelhof aus. Der gesamte Bestand des sächsischen Betriebs musste getötet werden.

Derzeit gilt deutschlandweit aus Vorsorgegründen ein Stallzwang für Nutzgeflügel wie Hühner oder Puten. Doch die Länder können mit Rücksicht auf Bauern mit Freilandhaltung Ausnahmen in wenig gefährdeten Gebieten ermöglichen, wovon im Sommer umfassend Gebrauch gemacht wurde. Das Bundesagrarministerium schätzt, dass es nur noch auf etwa zehn Prozent der Fläche der Bundesrepublik überhaupt Sperrmaßnahmen gibt.

Mettenleiter appellierte an die Länder, die vielen Ausnahmegenehmigungen von der Stallpflicht erneut unter die Lupe zu nehmen. Die Stallpflicht bleibe nötig, ansonsten drohe eine neue Einschleppung in Nutztiergeflügelbestände, was „katastrophale Auswirkungen“ haben könne.

Auf die zu erwartende Zuspitzung der Lage im Herbst bereiten sich die Experten laut Mettenleiter bereits vor. So sei damit zu rechnen, dass die Überwachung von Wildvögeln verstärkt werde. „Die Untersuchungsämter werden ihre Kapazitäten ausbauen.“ Auch die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen in den Betrieben müssten ernst genommen werden. Schließlich werde auch der illegale Handel mit Geflügelprodukten unterbunden. Neben dem Vogelzug gilt der internationale Handel mit Geflügel als einer der Hauptgründe für die rasche Ausbreitung der Vogelgrippe.

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