Lou Reed
Ende eines wilden Lebens

Lou Reed ist tot. Der dunkle Held der Sechziger brach Tabus und veränderte das Denken ganzer Generationen. Am Ende holte ihn, der sich und seinen Körper nie geschont hatte, sein ungezügeltes Leben wieder ein.
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San FranciscoDer „Walk on the Wild Side“ ist zu Ende. Nach Angaben seines Agenten Andrew Wylie verstarb Underground-Legende Lou Reed am Sonntag mit 71 Jahren in einer Klinik auf Long Island. Er geht davon aus, dass der Grund Komplikationen nach einer Lebertransplantation war, der sich Reed Mitte des Jahres unterziehen musste. „Er starb in Frieden mit seinen engsten Angehörigen an seiner Seite“, zitiert die New York Times Charles Miller, den Arzt, der diese Operation seinerzeit ausgeführt hatte.

Lou Reed veränderte das Denken und das Leben ganzer Generationen und prägte Musikrichtungen wie Punk, New Wave oder Alternative. Wie kein anderer nannte er in seinem harten, grummelnden Sprechgesang die Abgründe des Lebens beim Namen, erzählte vom Bösen, vom Guten und vom andersartig sein. Andere machten das auch, in geschliffeneren Texten, mit geschmeidiger Musik. Aber das war nie der Stil von Lou Reed, der gerne mit seinen minimalistischen Musikkenntnissen prahlte: „Alles, was mehr als drei Akkorde hat, das ist Jazz“, ist eine der meistzitierten Lebenswahrheiten des Underground-Rockers, dessen musikalische Karriere einem New York außer Kontrolle begann, regiert von Gewalt und Drogen.

Eine Welt, in die der Zyniker Reed perfekt hineinpasst und in die er voll und ganz eintauchte auf der Flucht vor seinem Elternhaus. Als Teenager musste er eine Elektroschock-Therapie über sich ergehen lassen, um seine bisexuelle Orientierung zu ändern.

Lewis Allan Reed wurde 1942 in Brooklyn, New York, geboren. In Bands spielte er von seinem 14. Lebensjahr an, nach dem College arbeitete er als Songschreiber für ein kleines Label, Pickwick Records. Daneben spielte er als Background-Musiker in Bars, wollte eigentlich mal Journalist werden, gab diese Idee aber schnell wieder auf. Mit John Cale gründete er seine erste Band, nachdem noch Drummer Maureen Tucker und Gitarrist Sterling Morrison dazugestoßen waren, benannten sie sie um in „Velvet Underground“. Das war der Titel eines Anfang der sechziger Jahre im prüden Amerika heiß diskutierten Buches über alle denkbaren Spielarten der Sexualität. Die Velvets haben alles gesagt, was in Radio und Fernsehen nicht gespielt werden durfte.

Pop-Art-Ikone Andy Warhol wurde auf die Formation mit dem dreckigen Sound, gemixt aus hartem Rock und Europäischer Avantgarde-Musik, aufmerksam. Ihr Debüt „The Velvet Underground & Nico“ wurde zum Szene-Erfolg. Allerdings konnte sich Reed schwer damit abfinden, dass nicht er vorne an der Rampe, sondern die Sängerin Nico Frontfrau war.

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