Loveparade
Ombudsmann mahnt Aufstockung der Opferhilfe an

Der Hilfsfonds der NRW-Landesregierung für Hinterbliebene und Verletzte der Duisburger Loveparade-Katastrophe ist fast ausgeschöpft. Mehr als vier Monate nach dem Unglück sind mehr als 90 Prozent der Mittel ausgezahlt. Überlebende der Massenpanik kämpfen dagegen bei Rückkehr ins normale Leben gegen bürokratische Hürden.
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HB BERLIN/DÜSSELDORF/DUISBURG. Das sagte der Ombudsmann für die Loveparade-Opfer, Ex-Staatssekretär Wolfgang Riotte. Dennoch könnten weiterhin Anträge gestellt werden. Sollte der Hilfsfonds in Höhe von einer Million Euro aufgebraucht sein, sei es „sehr wahrscheinlich“, dass die Landesregierung die Mittel aufstocke.

Bei dem Unglück auf der Loveparade in Duisburg waren am 24. Juli 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden zum Teil schwer verletzt. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen zu den Ursachen des Unglücks dauern an. Bislang erhielten 19 Familien der insgesamt 21 Todesopfer finanzielle Hilfen. In den anderen beiden Fällen stünden die Zahlungen noch aus, sagte Riotte. An mehr als 60 Verletzte wurden Hilfsleistungen gezahlt. Bis zu zehn Anträge befinden sich darüber hinaus noch in Bearbeitung.

Riotte sagte, es sei „sehr richtig“ gewesen, für Opfer und Angehörige eine finanzielle Hilfe anzubieten. Dadurch seien unter anderem medizinische Behandlungen ermöglicht worden, die Krankenkassen nicht finanzieren wollten. „Der Hilfsfonds war eine Anerkennung der großen Betroffenheit“, sagte Riotte.

Eine Aufstockung des Hilfsfonds scheint allerdings dringend geboten: Etwa zehn Menschen befinden derzeit noch immer in stationärer Behandlung. Grund dafür seien überwiegend psychische Probleme. Oftmals träten Symptome erst Monate oder Jahre nach einem traumatischen Ereignis auf. Deshalb sei eine der wichtigsten Aufgaben in den kommenden Monaten, eine Hilfe für Spätschäden einzurichten, mahnte Riotte an.

Noch immer leiden auch zahlreiche Teilnehmer, die die Massenpanik überlebt haben, weiter unter erheblichen psychischen Spätfolgen, berichtet auch Jürgen Hagemann, Vorsitzender des Betroffenen-Vereins „Massenpanik Selbsthilfe“. Etwa 100 Menschen haben sich nach Hagemanns Worten in dem Verein zusammengeschlossen, der Opfern unter anderem Hilfe bei der Suche nach einem Anwalt anbietet. „60 bis 70 Prozent der Menschen, die zu den Treffen kommen oder zu denen ich telefonisch Kontakt habe, sind traumatisiert“, sagt Hagemann.

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