Lübeck
Ehec-Ermittler nehmen Restaurant ins Visier

Auf der Suche nach der Ehec-Infektionsquelle konzentrieren sich die Ermittler auf ein Lübecker Restaurant. Acht Frauen hatten dort Mitte Mai gemeinsam zu Abend gegessen. Kurz darauf erkrankten sie an dem Darmkeim.
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BerlinBei den Ermittlungen zur Ursache der gefährlichen Ehec-Darminfektionen in Deutschland führt einem Zeitungsbericht eine Spur in ein Lübecker Restaurant. Wie die „Lübecker Nachrichten“ am Samstag berichteten, erkrankten 17 Menschen nach einem Besuch in dem Lokal. Ein Lübecker Mikrobiologe wurde mit den Worten zitiert, das Restaurant treffe keine Schuld. „Allerdings kann die Lieferantenkette möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist.“

Dem Blatt zufolge besuchten die Erkrankten das Restaurant zwischen dem 12. und dem 14. Mai. „Bemerkenswert ist, dass es sich bei den Erkrankten um Teilnehmer unterschiedlicher Gruppen handelt“, sagte der Wissenschaftler dem Blatt. Einige Besucher waren der Zeitung zufolge Mitglieder einer Gruppe der Deutschen Steuergewerkschaft. Laut Ondracek haben am Freitagabend, dem 13. Mai auch etwa 30 Frauen der Bezirks- und Landfrauenvertretung in dem Lübecker Restaurant gegessen. Später seien acht Frauen an einer Ehec-Infektion erkrankt. Eine Frau aus Nordrhein-Westfalen sei inzwischen gestorben, sie werde am Montag beigesetzt. Die anderen seien zum Teil schwer erkrankt, befänden sich inzwischen aber alle auf dem Weg der Besserung. Alle Teilnehmerinnen des Treffens hätten beim RKI Proben abgeben müssen und seien befragt worden.

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete, der Ausbruch der Epidemie falle womöglich mit dem Hamburger Hafengeburtstag Anfang Mai zusammen. Diese These werde intern beim Robert-Koch-Institut (RKI) favorisiert, schrieb das Blatt in einer Vorabmeldung unter Berufung auf RKI-Kreise. Für eine offizielle Stellungnahmen war das Institut allerdings bisher nicht zu erreichen.

Etwa 1,5 Millionen Menschen hatten vom 6. bis zum 8. Mai das Hafenfest besucht. Gut eine Woche später seien die ersten Patienten mit Durchfall ins Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf gekommen, schrieb „Focus“. Der zeitliche Abstand zwischen dem Fest und den ersten Erkrankungen im Hamburger Uniklinikum würde demnach dem typischen Verlauf einer Ehec-Erkrankung entsprechen.

Hamburg und Schleswig-Holstein sind - gerechnet auf die Bevölkerungszahl - nach Behördenangaben bislang am stärksten von den Ehec-Infektionen betroffen. Bei vielen Patienten entwickelt sich zudem das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das lebensgefährlich ist und zu einem Nierenversagen führen kann. Bis Freitag wurden nach offiziellen Angaben mehr als 1700 Ehec-Infektionen registriert. 

Indes schließt der Linke-Politiker und Biologe Jan van Aken einen terroristischen Hintergrund der Ehec-Epidemie aus. Die Entwicklung eines solchen Erregers im Labor übersteige die Möglichkeiten terroristischer Vereinigungen, sagte der Fraktionsvize, der auch Gründer der Forschungsstelle Biowaffen der Universität Hamburg ist, am Samstag im Deutschlandradio Kultur. „Die Terroristen sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon an den ganz alten, einfachen, klassischen Biowaffen gescheitert.“ Bundesweit werden bisher 19 Todesfälle mit dem Ehec-Darmkeim in Verbindung gebracht.

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Ehec-Ermittler nehmen Restaurant ins Visier

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Kritik an der Vorgehensweise der RKI

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  • Schaut euch das hier mal an!

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/ehec-raetsel-geloest-informationen-ueber-ein-geheimes-b-waffen-forschungsprojekt-der-bundeswehr.html

  • Scheint wohl eine absichtliche oder unabsichtliche Verseuchung eines Lebensmittelgroßhändlers zu sein. Die absichtliche Verseuchung sollte man definitiv nicht ausschließen. Bis zum 11.09.2001 hatte man sich auch nicht vorstellen können, dass Terroristen Großflugzeuge fliegen können. Zugang zu einem Laborschrank und Zugang zu einem Lebensmittelgroßhändler halte ich auch nicht für sonderlich weit hergeholt.

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