Lufthansa streicht 20 Flüge: US-Ostküste wappnet sich für Schneesturm

Lufthansa streicht 20 Flüge
US-Ostküste wappnet sich für Schneesturm

Mehrere Bundesstaaten an der US-Ostküste haben den Notstand ausgerufen. Auch Handelsblatt-Korrespondent Moritz Koch macht sich für ein kaltes Wochenende bereit.

Washington/FrankfurtEs ist alles eingekauft. Die warmen Decken liegen bereit, und statt Restaurantbesuch oder einem Abend mit Freunden in der Bar nebenan ist Fernsehen zuhause angesagt. Washington mummelt sich ein. Es wird ein Blizzard erwartet, ein Schneesturm in seiner wildesten Ausprägung. Die Generalprobe war ein Desaster. Als sich am Mittwochabend eine zwei-zentimeterdünne Schneedecke über Amerikas Hauptstadt ausbreitete, brach Chaos auf den Straßen aus. Schier endlose Blechschlangen verstopften die Autobahnen, stundenlang steckten Pendler fest. Selbst Präsident Barack Obama kam kaum voran: Seine Wagenkolonne musste sich den Weg mit Warnsirenen freischaffen, als sie vom Militärflughafen in Maryland auf spiegelglatten Straßen zum Weißen Haus zurückrutschte.

Die Washingtoner waren also sensibilisiert, als sie am nächsten Morgen die Berichte über die nächste Schneefront vernahmen. Eine Front, wie sie die Region seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. 36 Stunden Schneefall, Gewitter und Windböen von mehr als 60 Kilometer pro Stunde: Die amerikanische Hauptstadt, berüchtigt dafür, die Effizienz des Südens mit dem Charme des Nordens zu kombinieren, wird heute von einem schweren, wahrscheinlich historischen Wintersturm getroffen. Wenn am Sonntag Aufräumarbeiten beginnen, wird sich Washington aus einer eineinhalb meterdicken Schneeschicht freischaufeln müssen.

Der Ausnahmezustand begann schon, bevor die erste Flocke vom Himmel rieselte. Die Schulen bleiben am Freitag geschlossen. Ministerien und Behörden schickten ihre Mitarbeit um 12 Uhr mittags nachhause. Supermärkte wurden leergekauft und auch Baummärkte erlebten einen Kundenansturm, vor allem Schneeschieber und Streusalz waren gefragt, aber auch Kerzen und Taschenlampen. Die Stadtverwaltung warnt vor großflächigen und langeanhaltenden Stromausfällen.

Als die ersten Ausläufer des Wintersturms Washington am frühen Freitagnachmittag erreichten, war die Innenstadt bereits ausgestorben. Bürgermeister Muriel Bowser versicherte, die Stadt sei besser vorbereitet als am Mittwoch. Aber sie rief die Bürger auf, den Sturm nicht zu unterschätzen und nur im Notfall das Haus zu verlassen

Bis zu 75 Millionen Menschen in 19 Bundesstaaten könnten ab Freitagabend (Ortszeit) von heftigen Schneefällen und starken Winden betroffen sein, warnen die Meteorologen des Nationalen Wetterdienstes. Mehrere Bundesstaaten, darunter Virginia, Maryland, North Carolina sowie die Hauptstadt Washington haben vorsorglich den Notstand ausgerufen. Dabei handelt es sich um einen Schritt, um leichter an staatliche Gelder und Unterstützung zu kommen.

Schon am Freitagmorgen fuhren in der Hauptstadt kaum Busse, die U-Bahnen verkehrten unregelmäßig. Ab Mittag stand das Netz weitgehend still. Entlang der Ostküste wurden 5000 Flüge abgesagt, besonders betroffen war der Umsteige-Flughafen in Charlotte. Die Lufthansa hat bis zum Sonntag insgesamt 20 Flüge in die Region abgesagt. Es geht um Verbindungen von und nach New York, Washington, Philadelphia und Charlotte, wie eine Sprecherin mitteilte. 3700 Passagiere seien betroffen, die von Frankfurt/Main, München oder Düsseldorf in die USA losfliegen oder von dort eintreffen wollten.

„Wir sind vorbereitet auf diesen Sturm“, sagte Virginias Gouverneur Richard McAuliffe. „Lasst uns unsere Arbeit machen“, sagte er und bat die Bürger nicht mit dem Auto zu fahren. Der Norden seines Bundesstaates, der an Washington angrenzt, erwartet bis zu drei Fuß (knapp ein Meter) Schnee innerhalb von 24 Stunden. Die Ausläufer des Blizzards könnten bis zur Metropole New York im Norden reichen. In Südstaaten wie Alabama und Louisiana werden Sturmfluten befürchtet.

Mit Material von dpa

Moritz Koch ist USA-Korrespondent.
Moritz Koch
Handelsblatt / USA - Korrespondent
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