Lufthansa-Streik
Verdi holt die Flieger vom Himmel

Für das Unternehmen ist es ein Desaster: Während Verdi heute mehrere Flughäfen bestreikt, befürchtet die Unternehmensführung einen riesigen Imageschaden. Zum Glück bleibt ein Chaos heute größtenteils aus.
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FrankfurtBei der Lufthansa geht am Montag gar nichts mehr: Die Gewerkschaft Verdi hat die Kranich-Airline mit einem deutschlandweiten Streik lahmgelegt. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt herrschte gähnende Leere - Airport-Mitarbeiter kurven auf Fahrrädern durch das Terminal. Für die Lufthansa ist der Ausstand ein Desaster: Nicht nur streicht die Fluggesellschaft an einem einzigen Tag 150.000 Passagieren die Flüge - die Airline sieht sich durch die zahlreichen Arbeitsniederlegungen in die Enge getrieben.

„Das sind Streikaktionen in einer Taktung, wie wir sie noch nicht hatten”, sagte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. Für die Kunden und das Unternehmen sei das ein unerträglicher Zustand. „Den Passagieren zu vermitteln, dass wir erneut einen Streik haben, wird zunehmend schwieriger.” Der Imageschaden für die Fluggesellschaft sei „irreparabel”, erläuterte er.

Verdi hatte den Flugbetrieb der Lufthansa bereits im März mit einem Warnstreik teils zum Erliegen gebracht. Zuvor hatten bereits die Sicherheitsleute an einigen Flughäfen die Arbeit niedergelegt - vergangenen Sommer lieferten die Stewards und Stewardessen dem Unternehmen einen spektakulären Streik.

Verdi hatte das Lufthansa-Bodenpersonal an den großen deutschen Flughäfen für den gesamten Tag zum Streik aufgerufen. In der Folge strich die Lufthansa ihren Flugplan radikal zusammen. Von den insgesamt vorgesehenen mehr als 1700 Flügen können nur etwa 30 angeboten werden. Die Fluggesellschaft empfiehlt allen Reisenden, sich im Internet unter www.lufthansa.com oder unter der Telefonnummer 0800 850 60 70 über den Status ihres Fluges zu informieren. Fluggäste können kostenlos auf die Bahn umsteigen. Dort ist die Lage entspannt. „Wir haben ein leicht erhöhtes Fahrgastaufkommen”, sagte ein Bahn-Sprecher. Extra-Züge mussten bislang nicht eingesetzt werden.

Mit dem Ausstand verschärfte Verdi nochmals die Gangart im Tarifstreit mit der Lufthansa. Lufthansa hatte am Mittwoch erstmals ein Angebot vorgelegt, das Verdi aber als nicht verhandlungsfähig ablehnt. In dem Tarifstreit geht es um die Gehälter von rund 33.000 Beschäftigten bei Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems sowie der Lufthansa-Mitarbeiter am Boden und in der Kabine.

Das befürchtete Chaos wegen des Streiks am Frankfurter Flughafen blieb im Gegensatz zu früheren Ausständen aus. Am Morgen herrscht üblicherweise Enge, doch an diesem Tag war im Terminal 1 so viel Platz, dass Mitarbeiter des größten deutschen Flughafens in dem Gebäude auf das Fahrrad umstiegen. Die allermeisten Passagiere der Kranich-Airline blieben zuhause oder nahmen den Zug. Die Strategie der Lufthansa, die Fluggäste per Email oder SMS über den Arbeitsausstand zu informieren, ging auf - nur wenige hatten sich überhaupt zum Airport aufgemacht.

Einer von ihnen war Horst Hoffart. Der 45-jährige Servicetechniker stand an einem der wenigen Checkin-Schalter an, die in der riesigen Abflughalle noch geöffnet hatten. Er hatte Glück, sein Flug nach Atlanta hob ab. Das war die Ausnahme, am Montag starten von geplanten 50 Langstreckenflügen der Lufthansa nur eine Handvoll. Verständnis für die Arbeitsniederlegung hatte er trotzdem nicht. „Es wurde in letzter Zeit viel zu oft gestreikt”, sagte er.

Glücklich schätzte sich auch das Ehepaar Grabherr aus dem österreichischen Bregenz: Sie wollten in die Karibik und flogen nicht mit der Lufthansa, sondern mit dem Konkurrenten Condor. „Eigentlich sollte die Lufthansa als deutsches Unternehmen verlässlich sein”, sagte Günter Grabherr. Die Streikserie schade aber dem Ruf des Konzerns. „Für die Reisenden ist das schrecklich.”

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist einfach schauerlich, diese assozialen Verdi-Tröten durch die Flughäfen ziehen zu sehen.

    Rechtsblind und ignorant nehmen sie 150.000 unschuldige Bürger/Fluggäste als Geisel für ihre abgedrehten Forderungen.
    Ein Grund mehr, zumindest die Verdiprotagonisten endlich in Contractorfirmen downzusourcen.

    Ihr Aufwiegler Bsirske sesselpupst sich derweil von Aufsichtsratssitzung zu Aufsichtsratssitzung und genießt seine erpresserische Macht.....

  • also wirklich, die armen LH-Mitarbeiter, die 6 mal pro Jahr zu lächerlichen Preisen wegfliegen und in den Corporate-Hotels wohnen. Dafür haben sie immer das Geld parat.
    Ich wünsche mir, dass 50% der streikenden Belegschaft fristlos gekündigt wird, damit die anderen dann zur Ruhe kommen.

  • Hallo Morlockmax,
    Sie sind also der Meinung, die LH-Mitarbeiter sollten die Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich und eine weitere Ausgliederung in "Servicegesellschaften" klaglos hinnehmen?
    Also ich bin froh, wenn die Gewerkschaften für die Mitarbeiter kämpfen.
    Duckmäuser haber wir in unserer Gesellschaft ja offensichtlich genug.

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