Luftraum über Europa
Obama macht wegen Aschewolke kehrt

Der isländische Vulkan Grimsvötn versetzt Behörden und Fluggesellschaften in Alarmbereitschaft. US-Präsident Obama hat auf Grund der sich ausbreitenden Aschewolke bereits seinen Irland-Aufenthalt verkürzt.
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Reykavic/Brüssel/London/Berlin Die Vulkanasche könnte nach Auskunft der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol am Dienstag Schottland und Donnerstag auch den Luftraum über Westfrankreich und Nordspanien erreichen. Die Auswirkungen sollen insgesamt aber weniger dramatisch sein als im Frühjahr 2010. Trotzdem hat US-Präsident Barack Obama am Montag entscheiden, früher als geplant seinen Irland-Besuch zu beenden. Obama werde noch am Abend nach London, der zweiten Station seiner sechstägigen Europareise, fliegen, teilte das Weiße Haus mit. Eigentlich wollte Obama die Nacht noch in Dublin bleiben.

Für Deutschland besteht Verkehrsminister Peter Ramsauer zufolge jedoch vorerst keine Gefahr. Dennoch müsse man gerüstet und vorbereitet sein, erklärte der CSU-Politiker und legte vorsorglich Asche-Grenzwerte für eine mögliche Sperrung des Flugverkehrs fest. Gerät Vulkanasche in Flugzeugtriebwerke, können diese beschädigt werden und gar ausfallen. 

Im Frühjahr 2010 waren große Teile des europäischen Luftraums nach einem Vulkanausbruch in Island für sechs Tage gesperrt. 100.000 Flüge fielen aus, zehn Millionen Reisende strandeten, die Airlines verloren 1,7 Milliarden Dollar Umsatz. Entsprechend nervös reagierten die Anleger am Montag: Aktien der Air Berlin verloren 1,8 Prozent, Lufthansa3,5 und Air France 4,1 Prozent. Ein Sprecher der Lufthansa sagte, es gebe derzeit keine Beeinträchtigung des Flugplans. Die Situation werde beobachtet. „Kurzfristig erwarten wir keine Verschärfung, alles andere ist Spekulation.“ 

Obama soll Dienstag von Irland nach Großbritannien fliegen

Eurocontrol teilte mit, die neue Aschewolke vom Vulkan Grimsvötn werde vorerst keine größeren Auswirkungen auf den europäischen Luftverkehr haben. Mit Ausnahme Islands werde es über Europa am Montag und Dienstag wohl zu keiner Sperrung des Luftraums kommen. Der zwischenzeitlich geschlossene Flughafen der isländischen Hauptstadt Reykjavik sollte nach Angaben der Behörden am Montagabend wieder geöffnet werden.

Die EU-Kommission erklärte, Prognosen über die weitere Entwicklung seien nicht möglich, da sich die Wetterlage gerade ändere. Auch sei die Asche bisher anderer Art als die 2010.

Bei der britischen Flugsicherheitsbehörde CAA hieß es, in Teilen des Landes werde der Flugverkehr am Dienstag wohl beeinträchtigt. Die Wolke wird wahrscheinlich über Irland, Nordirland, Schottland und nördliche Teile Großbritanniens ziehen. Am Dienstag sollte US-Präsident Barack Obama von Irland aus nach Großbritannien weiterfliegen.

Ramsauer sagte in Berlin, er habe Flugverbote ab einer Konzentration von mehr als zwei Milligramm Aschepartikeln pro Kubikmeter Luft verhängt. Werde dieser Wert überschritten, dürften Düsenflugzeuge nicht mehr fliegen. Bei einem Wert unter 0,2 Milligramm dürfe frei geflogen werden, bei 0,2 bis zwei Milligramm gebe es Auflagen. Mit einer dramatischen Lage sei in den kommenden Tagen nicht zu rechnen. Gleichwohl sei Sicherheit das oberste Gebot.

Schwerster Ausbruch des Grimsvötn seit 1873

Die EU-Staaten hatten als Lehre aus dem Durcheinander nach dem Vulkanausbruch 2010 eine engere Koordination der nationalen Flugaufsichtsbehörden vereinbart. Die nationalen Aufseher waren damals unterschiedlich vorgegangen. Die EU-Länder definierten damals zwar verschiedene Gefahrenzonen, konnten sich aber nicht auf allgemeingültige Grenzwerte einigen. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sagte, die Zusammenarbeit sei inzwischen besser. Die Behörden bekämen mehr Informationen und Hilfestellung für ihre Entscheidungen. Am Montagmorgen traf sich zum ersten Mal die neugeschaffene Koordinationsgruppe für Luftfahrtkrisen.

Der Vulkan Grimsvötn hatte am Wochenende eine riesige Wolke mit Rauch und Asche 20 Kilometer hoch in den nordischen Himmel gespuckt. Dies war sein erste Ausbruch seit 2004 und der heftigste seit 1873. Der Vulkan ist der aktivste in Island und liegt unter dem größten Geltscher Europas, dem Vatnajökull. Der aktuelle Ausbruch ist Experten zufolge stärker als vor sieben Jahren, und die Behörden legten eine Flugverbotszone im Umkreis von mehr als 220 Kilometern fest.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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