Luftverschmutzung
Paris riechen und sterben

Frankreichs Hauptstadt sieht sich selbst gerne als schönste Stadt der Welt, vielleicht sogar zu Recht. Doch in Paris stinkt es gewaltig – buchstäblich. Die Luftverschmutzung übersteigt regelmäßig die Grenzwerte.
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ParisVom Himmel über Paris, unter dem die Liebenden glücklich spazierengehen, sang einst Edith Piaf. Den Parisern ist diese Romantik abhanden gekommen. Sie husten sich durch den Alltag und wissen seit Neuestem auch genau, warum: Sie leben zwar in der schönsten Stadt der Welt, doch hier ist die Luft so dick wie in kaum einer anderen europäischen Metropole.

An jedem zweiten Tag übertrifft die Luftverschmutzung, vor allem die durch Feinstaub, die europäischen Grenzwerte, so eine neue Studie. Und das nicht nur ein bisschen: Im Dezember vergangenen Jahres, als Fabriken, Autoverkehr und private Kamine es besonders toll trieben, “entsprach die Luftqualität dem in einem nicht gelüfteten Zimmer von 20 Quadratmetern, in dem acht Raucher paffen”, sagt Jean-Baptiste Renard vom französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS).

Wer es genau haben will: Mit jedem Atemzug pumpten die Pariser damals rund drei Millionen Kleinst-Partikel in ihre Lungen. An einem normalen Tag sind es “nur” 200 000 Teilchen pro Liter. Die Mini-Partikel sind besonders gefährlich, weil sie die körpereigenen Filter in Nase und Bronchien passieren und über die Lunge in den Blutkreislauf gelangen.

Dort lösen sie Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs aus. Die Beschwerden, die Feinstaub in den Atemwegen verursacht, sind dagegen schon fast harmlos. Für sie gibt es noch keine EU-Grenzwerte. Die existieren nur für die etwas größeren von mehr als 10 Mikrometer. Dieses Limit hält Frankreich nicht ein, weshalb eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof läuft.

Die Folge des grauen Himmels über Paris: Die Einwohner der Hauptstadt sterben im Schnitt sechs Monate früher als die übrigen Franzosen. Im ganzen Land spricht man von 42.000 Toten durch die Feinstaubbelastung, das ist mehr als ein Zehntel des gesamten EU-Wertes (400.000 vorzeitige Todesfälle).

Um diesen Blutzoll zu verringern, hatte die EU ihre Mitgliedstaaten schon vor Jahren aufgefordert, Zonen mit verringerter Pollution einzuführen. In Deutschland sind das die Umweltzonen, in die Stinker nicht mehr hineinfahren dürfen.

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Gegenmaßnahmen werden abgelehnt

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