LVMH-Inhaber Arnault
Milliardär muss nachts von Champs-Elysées verduften

Bislang duftete es bis spät in die Nacht auf der Champs-Elysées aus dem Geschäft der Luxus-Parfümeriekette Sephora. Ladenschlusszeiten waren für Inhaber Bernard Arnault ein Fremdwort. Seit Montag ist das nun anders.
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ParisWer über die Champs-Elysées läuft, wird ziemlich genau auf halber Höhe auch nachts von einer Duftwolke eingehüllt. Der protzigste Pariser Laden von Sephora, der Luxus-Parfümeriekette des Milliardärs Bernard Arnault, bläst seinen Wohlgeruch auch zu später Stunde noch auf die Kino- und Touristenmeile. Das Geschäft kennt keine Ladenschlusszeiten. Bisher. Seit Montag ist das anders: Ab 21 Uhr muss der Laden künftig dicht sein, hat ein Pariser Berufungsgericht entschieden.

Für jeden Fall der Zuwiderhandlung werden Arnaults Unternehmen LVMH, der Mutter von Sephora und bekannt durch Marken wie Louis Vuitton, 80.000 Euro Strafe angedroht. Der Milliardär aber will nicht kuschen und nun sogar vor das Kassationsgericht ziehen. „Die immense Mehrheit unserer Angestellten ist für die Ladenöffnung während der Nachtstunden“, teilte Sephora in Reaktion auf den Gerichtsentscheid mit.

Hintergrund des Streits um Parfüm und Kosmetika ist eine Kampagne der Pariser Gewerkschaften. Sephora ist nur eines von vielen Geschäften, die von den Nachtschwärmern auf der Champs-Elysées profitieren. Fast alle großen Marken, die mit pompösen Geschäften auf der berühmtesten Avenue von Paris vertreten sind, halten auch nachts die Pforten offen. Das stört die Arbeitnehmervertreter enorm. Denn das französische Arbeitsrecht sieht vor, dass eine Beschäftigung nach 21 Uhr nur zulässig ist, wenn es dafür einen zwingenden betrieblichen Grund gibt.

Den sehen die Gewerkschaften nicht gegeben, weshalb sie seit einiger Zeit mit gezielten Klagen gegen die Nachtöffnung vorgehen. Die asiatische Kette Uniqlo muss bereits seit 2012 die 21-Uhr-Schließung einhalten. In der ersten Instanz wurde die Klage gegen Sephora aber vom Gericht abgewiesen. Erst die Berufungsinstanz gab ihnen Recht.

Arnault macht geltend, dass die langen Öffnungszeiten schon 1996 eingeführt worden seien. Rund 50 Mitarbeiter seien in die Nachtschicht integriert. Deren Jobs stünden nun auf dem Spiel. Alle seien Freiwillige, und es gebe mehr Nachfrage, als Arbeitsplätze zur Verfügung stünden. Schließlich fügt Sephora noch ein Argument hinzu, das auf den Nationalstolz zielt: „Die Champs-Elysées sind eine außergewöhnliche touristische Zone von Weltruf, und das Sephora-Geschäft zieht jährlich sechs Millionen Besucher an.“

Zwanzig Prozent des Umsatzes würden in den Nachtstunden gemacht, will sagen: Die Gewerkschaften schlachten das Huhn, das goldene Eier legt. Von denen dürfte Arnault allerdings mehr haben, als die Verkäuferinnen, selbst wenn die einen Nachtzuschlag von 25 Prozent erhalten.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " LVMH-Inhaber Arnault: Milliardär muss nachts von Champs-Elysées verduften"

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  • In jeder Fabrik heisst die Lösung dafür Schichtbetrieb... warum nicht auch im Verkauf? Soll der Heini Arnault halt einfach nochmal 30% mehr VerkäuferInnen anstellen, um einen richtigen 8-Stunden-Schichtbetrieb fahren zu können, anstatt seine VerkäuferInnen auszunehmen und keine Familie mehr zu gönnen!

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