Macher 2006
Heinrich Haasis: Job mit Haken und Ösen

Als Kapitän der Sparkassen stehen Heinrich Haasis stürmische Zeiten bevor, wenn er Anfang Mai das Kommando von Dietrich Hoppenstedt übernimmt. Sicher, der 60-jährige, rotblonde Haasis wird das Aushängeschild der weltweit größten Bankengruppe. Große Machtfülle erwartet ihn nicht.

HB DÜSSELDORF. Schließlich sind die Sparkassen eine regional verwurzelte Bankengruppe, kein Konzern. Bei wichtigen Fragen meldet sich stets ein vielstimmiger Chor machtvoller Repräsentanten. Gerne tragen sie ihre Meinungsverschiedenheit öffentlich aus. Ein Paradebeispiel aus der jüngsten Zeit ist die Fehde um das Direktbankgeschäft der BayernLB.

Dies kennt Haasis nur zu gut, schließlich hat er als Sparkassenfürst selbst lange Jahre die Fäden von Baden-Württemberg aus gezogen. Zugute kamen dem CDU-Mitglied seine Kontakte zu der seit Jahrzehnten im Südwesten regierenden Union. Politik und Sparkassen sind schließlich bis heute zwei Seiten einer Medaille. Haasis muss künftig gute Kontakte zur Bundesregierung pflegen. Als Mitglied des Andenpakts, eines Freundschaftskreises aus CDU-Mitgliedern, hat er schon lange guten Zugang zu Spitzenpolitikern.

In Stuttgart konnte Haasis stets auf die Landesregierung zählen, einig war man sich in der Stärkung des Finanzplatzes. Dafür verstieß der Pragmatiker Haasis, ohne mit der Wimper zu zucken, gegen eherne Sparkassenprinzipien. Der erste Streich war die Fusion von Landesbank und Landesgirokasse, der damals größten öffentlichen Sparkasse, zur Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Wie lohnend diese war, zeigte sich nach dem Wegfall der staatlichen Garantien für die Landesbanken. Plötzlich war das Massengeschäft in den Augen der Ratingagenturen Gold wert. Kein Wunder, dass andere Landesbanken folgen wollten.

Der zweite Streich war die Übernahme der privaten BW-Bank durch die LBBW. Diesen Schachzug führen Vertreter des privaten Bankgewerbes heute gerne als Beweis für die Wettbewerbsverzerrungen an: Es könne nicht sein, dass ein öffentlich-rechtliches Institut ein privates kaufe, die umgekehrte Variante aber unmöglich sei.

Die Strategie hat sich für die Sparkassengruppe im Südwesten bezahlt gemacht. Doch gerade dies wird Haasis in seinem neuen Amt viel Arbeit bescheren. Was im Südwesten geschah, soll nämlich nach dem Willen der Sparkassenvertreter in Zukunft ausgeschlossen sein, so wie es in der Vergangenheit eigentlich auch schon ausgeschlossen war. So steht es in der Berliner Erklärung, die kürzlich verabschiedet wurde: Fusionen von Sparkassen und Landesbanken sind tabu. Dies ändert aber nichts an der einfachen Tatsache, dass es zu viele Landesbanken gibt. Entweder sinkt deren Zahl, oder die Sparkassen müssen Opfer für den Erhalt der Institute bringen.

Abwehren muss Haasis auch die stetig wiederkehrenden Forderungen nach einer Privatisierung der Sparkassen. Hier drängen die deutschen Banken in vereinter Kraft mit internationalen Investoren, die nach lukrativen Verwertungsmöglichkeiten Ausschau halten. "Wehret den Anfängen!" wird die Parole von Haasis sein. So dürfte er gegen die Umwandlung des Sparkassenkapitals in Stammkapital kämpfen. Solche Pläne hegt die hessische Landesregierung. Haasis ist ein Arbeitstier, geprägt durch seine Kindheit in einer Großfamilie auf dem Land. Gleiches verlangt er von seinen Mitarbeitern.

Wegen seiner schwäbischen Wurzeln zweifelten Wegbegleiter lange, ob er den Ruf nach Berlin annimmt. Seiner Heimat bleibt er aber verbunden, sein neues Haus in Stuttgart behält er. So will er Freundschaften pflegen, denn sein Einsatz in Berlin ist schließlich begrenzt. Maximal werden es fünf bis acht Jahre. Haasis braucht sich um keine zweite Amtszeit zu sorgen. Dies gibt ihm Freiraum, für seine Ideen zu kämpfen. Dies könnte für die Sparkassenfamilie zu guten Resultaten führen.

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