Macher 2006
Herbert Kloiber: Der Allein-Unterhalter

Auf einen pompösen Firmenauftritt verzichtet Herbert Kloiber seit 35 Jahren. Nur ein kleines Metallschild an einem Seitengebäude der rummeligen Kaufingerstraße mitten in München weist auf die Tele-München-Gruppe (TMG) hin. Mit einem betagten Aufzug geht es in die bescheidenen, verwinkelten Geschäftsräume auf zwei Etagen. Hier regiert der aus Wien stammende Filmhändler, Produzent und Fernsehunternehmer sein weit verzweigtes Medienimperium.

HB DÜSSELDORF. Eine große Selbstinszenierung braucht der ehemalige Gegenspieler des längst Pleite gegangenen Medienunternehmers Leo Kirch nicht. Kloiber zählt seit Jahren zu den Großen der Branche.

"Kloiber ist in einer beneidenswerten Situation. Er braucht auf Mitgesellschafter keine Rücksicht zu nehmen", sagt ein Kollege in München. Seine unternehmerische Unabhängigkeit war ihm seit jeher wichtig. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil. Denn während andere Konkurrenten sich in komplizierten Abstimmungsprozessen zu einer Entscheidung durchringen, hat der unberechenbare Kloiber seine Entscheidungen beim Mittagessen im nahe gelegenen Nobelhotel "Bayerischer Hof" getroffen oder ganz einfach am Telefon längst reagiert und das Geschäft gemacht. "Wir sind eben ein mittelständisches Unternehmen", sagt der Unternehmer mit selbstironischem Unterton.

Kloiber steht im Zenit seiner Macht. Der vielsprachige Unternehmersohn besitzt die größte Filmrechtebibliothek in Deutschland. Ihm gehört der gerade neu positionierte Spielfilmkanal Tele 5. Er ist an den Fernsehsendern RTL 2 und ATV (Österreich) beteiligt, betreibt Deutschlands zweitgrößte Kinokette Cinemaxx, produziert Spielfilme, verkauft millionenfach DVDs und ist Gesellschafter des börsennotierten Filmdienstleisters Cinemedia.

Trotz Werbekrise und Konjunkturflaute macht Kloiber gute Deals. Sein Gespür für den Zeitpunkt erklärt den Erfolg. So verkaufte er im Sommer sein Aktienpaket am Fernseh- und Radiokonzern SBS Broadcasting im Wert von 45 Mill. Euro.

Auch im Filmgeschäft ist Kloiber ein cleverer Pokerspieler. Von Warner Bros., der Filmtochter des Mediengiganten Time Warner, hatte er für die sagenhafte Summe von rund 200 Mill. Dollar die Fernsehrechte von Hollywood-Filmen wie "Herr der Ringe" und "Harry Potter" gekauft. Marktbeobachter fürchteten damals, dass sich der einstige Kirch-Mitarbeiter Kloiber an dem teuren Hollywood-Deal "verschlucken" könnte. Doch das Gegenteil ist offenbar der Fall. Nach einer Reihe von Deals, darunter mit dem ZDF, ist der gewiefte Händler längst im grünen Bereich.

Schwierige Situationen wie der Zusammenbruch des Neuen Marktes nach der geplatzten Börsenblase sind die Spezialität von Kloiber. Der einstige Börsenliebling EM.TV ist dafür ein Beispiel. Der Filmhändler verkaufte für 400 Mill. Euro an den damaligen EM.TV-Chef Thomas Haffa 45 Prozent der Anteile der von ihm gegründeten Tele-München-Gruppe (TMG). Ende 2004 kaufte er die Anteile wieder zurück. Ein großartiger Deal: Der Kaufpreis, über den Stillschweigen vereinbart wurde, soll bei etwa 120 Mill. Euro gelegen haben. Damit ist der größte unabhängige Filmrechtehändler Deutschlands wieder komplett in Familienbesitz.

Doch nicht alles glänzt im Portfolio der TMG. Die Kinokette Cinemaxx lieferte im katastrophalen Kinojahr 2005 eine miserable Bilanz ab. Die schlechten Hollywood-Filme und der Boom bei DVDs setzen der Branche und damit auch Cinemaxx zu. Im ersten Halbjahr schrieb das börsennotierte Unternehmen mit mehr als 300 Leinwänden tiefrote Zahlen. Aufsichtsratschef Kloiber, dem fast die Hälfte des Unternehmens gehört, macht mächtig Druck. Am Ende soll ein erfolgreicher Ausweg auch aus der Kinokrise stehen.

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