Macher 2006
Susanne Klatten: Im Verborgenen schaffen

Es ist schon paradox: Susanne Klatten meidet die Öffentlichkeit, so gut es geht. Dennoch steht jetzt schon fest, dass die Milliardärin in den nächsten Monaten aus den Schlagzeilen nicht herauskommen wird. "Klatten macht Kasse" schrieb der "Stern" bereits im Herbst über die Pläne der 43-Jährigen, sich binnen Jahresfrist von ihrer Mehrheitsbeteiligung an dem Bad Homburger Pharma- und Chemiekonzern Altana zu trennen.

HB MÜNCHEN. Die Zerschlagung des im Dax notierten Unternehmens mit seinen 11 000 Mitarbeitern wird eines der spannendsten Wirtschaftsthemen 2006 werden - und Klatten steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ob sie will oder nicht.

Das ist außergewöhnlich, denn normalerweise waltet die Mutter von drei Kindern im Verborgenen. Sicher, Klatten ist eine der reichsten und mächtigsten Frauen hier zu Lande, ja auf der ganzen Welt. Neben der Mehrheit an Altana hält sie 12,5 Prozent der Aktien des erfolgreichen Münchener Autobauers BMW. Gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan und ihrer Mutter Johanna sind es sogar knapp 47 Prozent. Wenn sie ihre Aktien von Altana und BMW heute zu Marktpreisen verkaufen würde, käme sie auf mehr als sechs Mrd. Euro.

Wenn der Name Klatten in den Medien auftaucht, dann ist trotzdem meist nicht von Susanne Klatten die Rede, sondern von ihrem Schwager Werner Klatten. Der ist Chef der börsennotierten Münchener Medienfirma EM.TV und hat erst vergangene Woche für seinen Sender DSF die Rechte für die Fußball-Bundesliga gekauft.

Der Reichtum ist Susanne Klatten buchstäblich in den Schoß gefallen. Denn die studierte Betriebswirtschaftlerin ist ein Spross der Industriellenfamilie Quandt. Ihr Großvater kaufte in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die heutige Batteriefabrik Varta und beteiligte sich später an Daimler-Benz. Ihr Vater Herbert Quandt stieg in den 50er-Jahren bei BMW ein. Als Susanne ihre Beteiligungen nach dem Tod des Vaters 1982 erbte, war sie gerade 20.

Doch um was geht es bei Altana? Die Firma, der Jahresumsatz liegt bei drei Mrd. Euro, soll aufgespalten werden in eine Pharmasparte sowie den etwa halb so großen Chemieteil. Das Chemiegeschäft soll eigenständig an die Börse kommen; hier will sich Klatten weiter beteiligen. Das Pharmageschäft hingegen soll nach dem Willen der Mehrheitsaktionärin verkauft oder in ein anderes Unternehmen eingebracht werden. Für Klatten die Chance zum Ausstieg, oder wie es offiziell heißt: "Im Rahmen einer angestrebten Allianz dürfte es zu einer Veränderung der Aktionärsstruktur bei der Pharmagruppe kommen."

Für den Ausstieg gibt es gute unternehmerische Gründe. In fünf Jahren läuft der Patentschutz für das wichtigste Medikament von Altana aus - und es ist absehbar, dass kein vergleichbarer Umsatzbringer nachkommt. Besser, sich also rechtzeitig in die Arme eines großen Konzerns zu flüchten.

Und dennoch. Was, wenn die Quandts auch bei BMW Kasse machen wollen? In der Autobranche kann sich das derzeit niemand vorstellen. Die Geschäfte von BMW laufen prächtig, ein Verkaufsrekord jagt den nächsten. Umgekehrt ist auch BMW mit dem soliden Großaktionär im Rücken hoch zufrieden, denn die Mitarbeiter haben eine größere Sicherheit als bei vielen Konkurrenten. Das Unternehmen ist zwar börsennotiert. Doch seit Herbert Quandt BMW Ende der 50er-Jahre aus einer existenziellen Krise half, gibt es mit den Quandts eine letzte Instanz. "Wir schaffen dort Ruhe, das wird geschätzt", hat Susanne Klatten einmal gesagt. Sie und ihr Bruder sitzen im Aufsichtsrat.

Ins operative Geschäft mischen sich die Quandts nicht ein, heißt es zwar bei BMW. Dass es Klatten jedoch versteht, ihre Interessen knallhart zu vertreten, hat sich jetzt bei Altana deutlich gezeigt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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