Main-Donau-Kanal

Flusskreuzfahrt endet tragisch

Ein Hotelschiff kracht in Bayern gegen eine Brücke, weil offenbar das Steuerhaus nicht rechtzeitig abgesenkt worden war. Zwei Menschen sterben in den Trümmern. In der jüngsten Vergangenheit gab es ähnliche Vorfälle.
Update: 11.09.2016 - 15:22 Uhr
Die Unglücksstelle am Main-Donau-Kanal in Erlangen (Bayern). Ein Hotelschiff mit Ziel Budapest mit 181 Passagieren war am frühen Morgen mit einer Brücke kollidiert. Wie lange der Kanal gesperrt bleiben muss, ist noch offen. Quelle: dpa
Hotelschiff rammt Brücke in Erlangen

Die Unglücksstelle am Main-Donau-Kanal in Erlangen (Bayern). Ein Hotelschiff mit Ziel Budapest mit 181 Passagieren war am frühen Morgen mit einer Brücke kollidiert. Wie lange der Kanal gesperrt bleiben muss, ist noch offen.

(Foto: dpa)

Zwei Crewmitglieder sind bei der Havarie des Hotelschiffs der Firma Viking Freya auf dem Main-Donau-Kanal in Bayern getötet worden. Bei den Toten handele es sich um zwei Männer, 33 und 49 Jahre alt, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen. Während der Ältere in Vertretung des Kapitäns der verantwortliche Schiffsführer war, handelt es sich bei dem Jüngeren um einen Matrosen.

Das Schiff hatte erst kurz vor dem Unglück seine Reise vom mittelfränkischen Erlangen in die ungarische Hauptstadt Budapest angetreten. Nach der Kollision mussten etwa 180 Fahrgäste sowie die aus 49 Seeleuten bestehende Besatzung noch mehrere Stunden auf dem Unglücksboot verbringen, bis sie am Morgen an Land gebracht werden konnten. Rettungskräfte bauten dafür eigens einen Notsteg. Die Passagiere kamen zunächst mit Bussen in ein nahes Gemeindezentrum und wurden von Notfallseelsorgern betreut. Außer den beiden Todesopfern wurden keine Menschen verletzt.

Mehr als 200 Rettungskräfte waren an dem Einsatz beteiligt. Sie fanden einen katastrophalen Anblick vor: Das Führerhaus wurde bei dem Aufprall völlig zerstört, die beiden aus Ungarn stammenden Crewmitglieder waren eingeklemmt und starben in den Trümmern.

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Über die Ursache gibt es verschieden Versionen. Offenbar sei das einziehbare Steuerhaus des Schiffes nicht rechtzeitig vor der Brücke abgesenkt worden, sagte ein Polizeisprecher laut der Nachrichtenagentur afp. Laut der Agentur dpa ist aber noch alles offen: „Zur Unglücksursache kann man momentan noch gar nichts sagen, ob es rein menschliches Versagen oder ein technisches Problem oder eine Kombination von beidem ist“. Gutachter, die Wasserschutzpolizei sowie die Staatsanwaltschaft seien vor Ort.

Die Reederei des unter Schweizer Flagge fahrenden Schiffes äußerte sich auf Anfrage ebenfalls zu der Havarie. „Es zerreißt uns das Herz, und Mitarbeiter sind in Nürnberg, um in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden die Details des Unfalls herauszufinden“, teilte ein Sprecher von Viking River Cruises aus den USA der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Gäste könnten nun wählen, ob sie nach Hause zurückkehren oder die Tour mit einer angepassten Reiseroute fortsetzen wollten.

Der Schiffsverkehr auf dem Main-Donau-Kanal wurde bei Erlangen für zunächst unbestimmte Zeit eingestellt. Wann das Schiff abgeschleppt werden sollte, war noch unklar. Die betroffene Eisenbahnbrücke, auf der nur gelegentlich unter der Woche Güterzüge fahren, wurde nach Angaben der Stadt nach einer Prüfung wieder freigegeben.

An diesem Wochenende ist auf der Donau auch ein Ausflugsschiff mit rund 150 Menschen an Bord südöstlich von Bratislava gegen einen Uferdamm gestoßen. Für die Passagiere und Besatzungsmitglieder verlief der Unfall glimpflich, der Staudamm wurde jedoch beschädigt. Der Kapitän des unter Schweizer Flagge fahrenden Schiffs sei alkoholisiert gewesen, teilte der slowakische Verkehrsminister Arpad Ersek mit. „Die Angelegenheit wird noch weiter ermittelt“, erklärte der Verkehrsminister an der Unfallstelle. Nach dem Unfall sei der Kapitän wegen Übelkeit und Herzbeschwerden in ein Krankenhaus gebracht worden. Verletzt worden sei aber niemand.

Am Uferdamm wurde durch den Unfall eine zur Überschwemmungsverhütung wichtige Isolationsschicht beschädigt. Um das Ausmaß und Risikopotenzial der Beschädigung zu untersuchen, soll nun der Wasserspiegel der Donau abgesenkt werden. Das kündigte der ebenfalls an die Unfallstelle geeilte Umweltminister Laszlo Solymos an. Die Unfallstelle liegt im Regulierungsbereich des Donaukraftwerks Gabcikovo an der Grenze zu Ungarn. Das zunächst am Uferdamm festsitzende Schiff wurde nur geringfügig beschädigt.

Bereits im Juni waren an einem Wochenende zwei Passagierschiffe in Bayern havariert. Nahe Bad Abbach stieß ein Flusskreuzfahrtschiff auf der Donau bei starker Strömung gegen einen Brückenpfeiler, bei Riedenburg krachte ein Kabinenschiff auf dem Main-Donau-Kanal gegen ein Baugerüst. Die insgesamt knapp 500 Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden unverletzt in Sicherheit gebracht.

  • dpa
  • afp
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