Maler leidet an einer unheilbaren Nervenkrankheit mit Lähmungserscheinungen
Anklage gegen Künstler Jörg Immendorf erhoben

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Maler Jörg Immendorf erhoben. Die Ermittlungsbehörde wirft dem Kunstprofessor 27 Fälle von Rauschgiftbesitz vor.

HB DÜSSELDORF. Sieben Monate nach der Sex- und Drogenaffäre des Malers Jörg Immendorff (58) ist gegen den Kunstprofessor Anklage erhoben worden. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wirft dem Künstler 27 Fälle von Rauschgiftbesitz vor. In einem Fall sei dabei die Grenze einer geringen Menge überschritten worden, was als Verbrechen gelte, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Johannes Mocken, am Mittwoch.

Binnen drei Jahren soll der nach dem Skandal suspendierte Professor 27 Drogen- und Sexpartys mit Prostituierten in einem Düsseldorfer Luxushotel gefeiert haben. Allein die Hotelkosten beziffern die Ermittler auf 40 000 Euro. Im vergangenen August hatten Polizisten und Staatsanwälte Immendorff in einer Suite mit neun Prostituierten überrascht. Auf einem Tablett war das Kokain gebrauchsfertig in Linien ausgebreitet. Der 58-Jährige hatte sofort ein Geständnis abgelegt. Die Ermittler werfen Immendorff auch vor, in einem Fall im April vergangenen Jahres Kokain fahrlässig mehreren Prostituierten überlassen zu haben.

Der verheiratete Maler leidet an einer unheilbaren Nervenkrankheit mit Lähmungserscheinungen. Er bezeichnete die Partys als Flucht vor seiner Krankheit.

Der Künstler habe sich bei dem Ermittlungen kooperativ gezeigt und den Namen des Dealers genannt, von dem er die Drogen bezogen habe, sagte der Behördensprecher. Dieser bestreite allerdings die Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft will im Prozess 15 Zeugen ins Feld führen.

Immendorff droht eine Haftstrafe von mehr als einem Jahr und damit der Verlust seines Lehrstuhls an der Kunstakademie und seiner Beamtenrechte. Da der 58-Jährige allerdings Hinweise auf die Herkunft des Rauschgifts gab, könnte das Gericht nach dem Betäubungsmittelgesetz aber auch unter der Strafhöhe bleiben.

Wenige Monate vor dem Skandal hatte Immendorff noch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in St. Petersburg eine Skulptur mit dem Titel „Die Nase“ übergeben. Immendorff, der aus Niedersachsen stammt und in Düsseldorf lebt, ist Träger des mit 250 000 Dollar weltweit höchst dotierten Kunstpreises, dem Marco-Polo-Preis aus Mexiko. Der Maler war in den 60er Jahren in Düsseldorf Schüler von Joseph Beuys. Von Immendorffs Verteidiger war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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