Mallorca führt Urlaubssteuer ein
Kurtaxe am Ballermann

Das Regionalparlament von Mallorca hat die Einführung einer Übernachtungsabgabe für Urlauber beschlossen. Mit den Einnahmen will die Region nachhaltigen Tourismus fördern. Hoteliers und Umweltschützer protestieren.

MadridDas 17. deutsche Bundesland wird ab diesem Sommer teurer: Mallorca führt eine Touristenabgabe ein. Ab dem 1. Juli müssen Reisende zwischen 25 Cent und zwei Euro pro Tag zahlen. Der Preis ist gestaffelt nach Lage und Art der Unterkunft.

Wer etwa in einem Fünf-Sterne-Hotel nächtigt, muss zwei Euro pro Tag berappen, in Pensionen, Jugendherbergen oder Hütten sind es 50 Cent. In der Nebensaison (November bis April) sowie ab dem 9. Tag des Aufenthalts reduziert sich die Steuer auf die Hälfte. Zur Kasse gebeten werden auch Gäste in Ferienwohnungen und Teilnehmer von Kreuzfahrten. Kinder bis 15 Jahren müssen nichts zahlen.

Die in Spanien umstrittene Abgabe gilt für alle Balearen-Inseln, also auch für Menorca, Ibiza und Formentera. Sie soll 50 bis 80 Millionen Euro pro Jahr einbringen. Mit dem Geld will die Regionalregierung, die aus linken Parteien besteht, nachhaltige Tourismus-Projekte fördern und die Natur in unbebauten Gebieten schützen. Zudem will sie Forschungsprojekte zur Bekämpfung des Klimawandels finanzieren. Mallorca haftet zwar vor allem der Ruf des Ballermann an, dabei bietet die Insel auch unberührte Natur, weil dürfen 40 Prozent der Fläche nicht bebaut werden dürfen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mallorca eine Steuer erhebt. Bereits 2002 hatte die damals ebenfalls linke Regierung eine ecotasa (Umweltsteuer) eingeführt. Sie wurde beim Regierungswechsel von der konservativen Partido Popular (PP) wieder abgeschafft.

Auch jetzt hagelt es Protest von Hotelverbänden und der PP. „Das ist ein direkter Angriff auf die weltweite Konkurrenzfähigkeit der Balearen-Inseln“, erklärte der Hotelierverband FEHM am heutigen Mittwoch. Die Hoteliers wehren sich zudem dagegen, dass sie diejenigen sein sollen, die von ihren Gästen die Gebühr eintreiben müssen. Der balearische Tourismusminister Biel Barceló argumentierte, es gebe zahlreiche Orte in Europa und den USA, wo ähnliche Abgaben erhoben würden. Die Steuer habe dort nicht zu sinkenden Besucherzahlen geführt.

Auch der balearischen Umweltschutzorganisation GOP ist das nun beschlossene Paket nicht Recht – allerdings aus ganz anderen Gründen. Sie hält es für eine „vertane Chance“ und hätte lieber eine Obergrenze für Touristen gesehen. Mallorca hat stetig steigende Besucherzahlen: Kamen 2010 knapp sechs Millionen Besucher nach Mallorca, waren es im vergangenen Jahr schon fast neun Millionen. Für dieses Jahr wird ein neuer Rekord erwartet – wegen der Terrorgefahr in Nordafrika weichen immer mehr Urlauber unter anderem auf Spanien als Ziel aus.

Zwar ist der Tourismus ein wichtiger Pfeiler der spanischen Wirtschaft. Doch auch in anderen Urlauber-Hotspots regt sich Widerstand gegen den Ansturm von Reisenden. Gerade Barcelona kämpft mit einem Run von Touristen. Die neue Bürgermeisterin Ada Colau, die ein von der ultralinken Protest-Partei Podemos getragenes Parteibündnis anführt, will deshalb den Bau neuer Hotels in der Stadt beschränken. Eine Touristenabgabe ist in Katalonien, der Region rund um ihre Hauptstadt Barcelona bereits seit 2012 fällig. In Madrid regiert zwar ebenfalls eine Linksregierung, die Bürgermeisterin Manuela Carmena hat aber bereits erklärt, dass sie für die Hauptstadt keine Abgabe plant.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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