Mangroven
Natürliches Schutzkleid der Küsten

Sie wurzeln in seichten Küstengewässern in tropischen Breiten: Mangrovenbäume. Noch vor 20 Jahren gab es weltweit geschätzte 30 Millionen Hektar Mangrovenwald. Heute existieren weltweit davon nur noch die Hälfte der Bestände. In Sri Lanka etwa werden sie in Großprojekten nun wieder angepflanzt. Der Grund: die Tsunami-Katastrophe.

COLOMBO. Knapp zwei Stunden dauert die Fahrt von Sri Lankas Hauptstadt Colombo nach Bentota. Die Küstenstraße ist nagelneu, doch entlang der Fahrbahn sind noch immer zerstörte Häuser und Brücken zu sehen. Im Dezember 2004 traf die gewaltige Tsunamiwelle des Sumatra-Erdbebens auf die Insel, die früher Ceylon hieß. Flutwellen von bis zu 15 Meter Höhe überrollten einen breiten Küstenstreifen. Ein ganzer Eisenbahnzug verschwand in den Wassermassen.

Heute, zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe, gibt sich die Insel ihr natürliches Schutzkleid zurück: Überall werden in großen Projekten Mangroven mit ihrem Dickicht aus Stelz- und Stützwurzeln als natürlicher Küstenschutz wieder angepflanzt. Denn der Tsunami hatte gezeigt, dass die Regionen, die vor der Flutwelle noch intakte Küstenwälder besaßen, weniger Schäden erlitten. Die Mangroven – eine Gruppe verholzender Salzpflanzen, die sich an das harsche Leben im tropischen Gezeitenbereich angepasst haben – dienen als lebender Deich gegen Sturmfluten.

Auch die Europäische Union beteiligt sich mit dem „Asia Pro Eco Programm“ an der Renaturierung der verwüsteten Küstenlandschaften. „Wir investieren etwa 7,1 Millionen Euro in den Küstenschutz auf Sri Lanka“, erklärte EU-Projektleiter Peter Maher kürzlich auf einer Konferenz in Bentota. Auch in Indonesien, Thailand und Indien werden solche Maßnahmen gefördert.

Eines der EU-Projekte in Sri Lanka wird vor Ort durch den Global Nature Fund aus Radolfzell koordiniert. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern der Umweltinitiative „Living Lakes“ bemüht die Organisation sich vor allem um nachhaltige Fischerei und einen naturverträglichen Umgang mit den Mangroven und Lagunenzonen. „Unsere Projekte konzentrieren sich auf die Seen Bolgoda, Madampeganga and Maduganga südlich von Colombo“, erklärt der Projektkoordinator Udo Gattenlöhner. Etwa 100 000 neue Bäume wurden bisher in 30 Baumschulen herangezogen und in den Gebieten eingepflanzt. Umfangreiche Aufklärungsprogramme sollen die Bevölkerung auf die Funktion der Mangroven als natürlichen Küstenschutz aufmerksam machen.

Noch gibt es auf Sri Lanka etwa 1200 Hektar ursprünglichen Mangrovenwald. Mehr als 20 verschiedene Baumarten bilden hier ein dichtes Dschungelgrün, in dem unzählige Insekten, Reptilien und seltene Säugetiere leben. Die Wurzeln im Salzwasser sind eine der wichtigsten Kinderstuben für Meeresfische und Krebse. „Unser Projekt soll zeigen, wie traditionelle Nutzungen, beispielsweise der Garnelenfang oder die Holzverwertung, der ländlichen Bevölkerung zugutekommen können, ohne dass die Natur dabei Schaden nimmt“, erklärt Gattenlöhner.

Nach dem verheerenden Tsunami waren Experten erstaunt, wie wenig die Mangrovenwälder in Südostasien durch die Wucht der Flutwellen zerstört worden waren. Ob in Thailand, Sri Lanka oder Indien: Die Satellitenbilder zeigten ein weniger zerstörtes Hinterland stets dort, wo es vorher intakte Küstenzonen gab. Bedauerlicherweise war das an nur wenigen Stellen der Fall, denn weltweit verschwinden die Küstenwälder zweimal schneller als der tropische Regenwald. „Mangroven gelten als die bedrohtesten Wälder der Welt“, betont der Ökologe Michael Succow, Träger des alternativen Nobelpreises.

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