Maria Scharapowa verzückt die Tenniswelt nicht nur mit ihrem Aussehen, sondern auch mit ihrer sportlichen Leistung
Ganz schön lautstark

Die junge Dame gilt nicht nur als attraktiv und erfolgreich. Auch ihr inbrünstiges Stöhnen auf dem Tennisplatz brachte Maria Scharapowa im Vorfeld des Wimbledon-Turniers in die Schlagzeilen.

DÜSSELDORF. Sie erreicht auf dem Tenniscourt eine Lautstärke von bis zu 100 Dezibel, was den Geräuschen eines Kleinflugzeugs bei der Landung entspreche, hat die britische „Sunday Times“ über die Titelverteidigerin des Damen-Championats ermittelt. So lautstark ging die kleine „Mascha“ im fernen Moskau vor 12 Jahren noch nicht an den Ball. Im zarten Alter von sechs Jahre war sie noch so dünn, dass sich ihre Trainer sorgten, ob die Kleine den großen Tennisschläger denn halten könne. Und wie sie das konnte. Sie beeindruckte damit sogar Martina Navratilova. Die große alte Dame des Tennissports empfahl Vater Juri, die Koffer zu packen und seine Tochter in Amerika auf die Tennisschule zu schicken.

Eine harte Schule. Klein-Mascha kam bald in Bradenton/Florida in der berühmt-berüchtigten Tenniskaserne von Nick Bollettieri unter. Ein ganzes Jahr musste das Kind ohne beide Eltern auskommen – Mamuschka Jelena hatte keine Ausreisepapiere, Papa Juri schuftete als Müllmann, Kellner, Bauarbeiter, um das Geld für die Karriere der Tochter zusammenzubekommen.

Allein im fremden Land und ohne Sprache: „Ich war unglücklich, aber ich habe mich durchgekämpft.“ Ihr blieb der Tennisschläger als Freund. Und so drosch sie auf den Ball. Jeden Tag. Viele Stunden. Immer wieder. Die familiäre Disziplin hat sich längst gelohnt. Scharapowas Konto ist prall gefüllt: Seit ihrem Wimbledon-Coup im vergangenen Jahr zählt Scharapowa zu den Top-Verdienern ihres Sports. Auf 20 Millionen Dollar Werbeeinnahmen wird sie taxiert. Die Liste ihrer Sponsoren ist lang und hochkarätig: von Nike, Prince Racquet, Motorola, Canon, Colgate-Palmolive bis zu Tag Heuer. Allein als Werbe-Girl besagter Uhrenmarke ist sie angeblich zehn Millionen Dollar wert. Und im September kommt ihr eigener Duft auf den Markt. Der weltgrößte Sportvermarkter IMG erkannte schon früh ihre sportlichen Talente und ihr gefälliges Äußeres – und nahm sie schnell unter seine Fittiche. Zurzeit ist sie die Nummer zwei im weltweiten Damentennis. Nur noch Lindsay Davenport liegt vor ihr.

Maria Scharapowa hat in ihrer kurzen Karriere weit mehr als andere Tennisspielerinnen erreicht. Landsfrau Anastasia Myskina zum Beispiel, ebenso jung, ebenso erfolgreich (sie gewann die French Open 2004), wird auf höchstens ein Zehntel der Werbeeinnahmen geschätzt. Maria Scharapowa, 1,83 Meter groß, hat sich dank ihres Wimbledonsieges, aber auch dank ihrer körperlichen Vorzüge in der Geldliga ganz nach oben katapultiert. „People Magazine“ listet sie in diesem Jahr unter den 50 schönsten Menschen der Welt auf. Kolleginnen wie Myskina müssen sich in Hochglanzmagazinen entkleiden, um Aufmerksamkeit zu erregen. So was, meint Scharapowas Manager, habe seine Klientin nicht nötig. Es ist nicht leicht für die Branche zu verkraften, dass es da ein Fräuleinwunder gibt, das nicht nur sportlich top ist, sondern auch auf dem Laufsteg eine gute Figur macht. So hat die langbeinige Blondine mit dem Schuhtick („Ich muss ständig Schuhe kaufen.“) im November 2003 bei IMG-Models unterschrieben, just jener Agentur, die auch Weltstars wie Heidi Klum unter Vertrag hat. Ihr Motiv für den Nebenjob: „Ich will nicht zum Menschen verkümmern, der nur an Vor- und Rückhand interessiert ist.“ Bis dato kannte die Szene Sportlerinnen, die sich über die Leistung definierten, oder Kokette, wie die laszive Kunstfigur Anna Kournikova, in deren Nachfolge Maria Scharapowa anfänglich gesehen wurde.

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