Marihuana-Legalisierung
Darf Obama künftig kiffen?

Washington D.C., die Hauptstadt der USA, gilt als eher langweiliges Pflaster. Viele brave Beamte, die viel arbeiten. Doch nun wird Marihuana legal. Könnte Obama jetzt ohne Gewissensbisse zum Joint greifen?
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WashingtonDie Freunde der weichen Drogen jubeln. Endlich wird der Genuss und Anbau von Marihuana auch in der US-Hauptstadt erlaubt. „Alkohol ist nicht länger die einzig zugelassene soziale Droge in der Stadt“, sagt Robert Capecchi von der Initiative „Marijuana Policy Project“.

„Wenn der Präsident im Weißen Haus Bier trinken darf, sollten Erwachsene zu Hause weniger gefährliche Substanzen anbauen und konsumieren dürfen.“ Die Legalisierung war mit großer Mehrheit in einem Referendum im November beschlossen worden – gegen den Widerstand von Konservativen aus dem Kongress.

An diesem Donnerstag Schlag Mitternacht (sechs Uhr MEZ) tritt nun die Neuregelung in Kraft. Doch sie hat reichlich Haken und Ösen – es geht längst nicht so liberal zu wie in den Bundesstaaten Colorado, Washington und Alaska an der Westküste.

Wer kiffen will in der „Hauptstadt der Welt“ sollte sich sorgsam über das Kleingedruckte beugen. Anbau und Genuss sind erlaubt, doch ausschließlich zu Hause. Verkauf und Handel bleiben streng verboten. Vor allem aber will Bürgermeisterin Muriel Browser verhindern, dass jetzt „Marihuana Clubs“ aus dem Boden schießen. Das Motto heißt: Washington darf kein Amsterdam werden!

„Alles, was Sie wissen müssen, um nach der Legalisierung nicht ins Gefängnis zu kommen“, überschreibt die „Washington Post“ ihre Aufklärungsarbeit. Die Regelung sieht so aus: Jeder Erwachsene darf bis zu zwei Unzen (gut 50 Gramm) „Pot“ besitzen. Zudem darf er zu Hause bis zu sechs Marihuana-Keimlinge anbauen – allerdings dürfen höchstens drei gleichzeitig voll ausgewachsen sein. Und nicht mal auf dem Balkon darf das Pflänzchen gedeihen – nur „indoors“, also innerhalb der Wohnung. Liberalisierung ja - aber nur ein bisschen, könnte man das nennen.

Doch es gibt noch weitere Einschränkungen, die wiederum mit dem besonderen Status von Washington DC zu tun haben. Washington D.C., der District of Columbia, ist als Regierungssitz der USA kein eigener Bundesstaat mit allen Gewalten – formell hat der Kongress mitzureden. Außerdem gibt es „Federal Land“ – Land im Bundesbesitz. Dazu gehören etwa das Weiße Haus, der Kongress, die Mall, alle Monumente wie etwa das Lincoln Denkmal – und zahlreiche Parks.

Und da laut Bundesrecht das Rauchen von Marihuana nach wie vor verboten ist, darf sich kein Kiffer auf der Mall einen Joint anstecken. Und auch Barack Obama, der vor Jahren bereits bereitwillig zugegeben hat, in seiner Jugend gekifft zu haben, muss sich im Weißen Haus weiter in Enthaltsamkeit üben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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