Mario Sepúlveda
Der Held der Tiefe

Die 33 Kumpel in Chile sind allesamt zu Helden geworden. Aber zu weltweitem Ruhm und internationaler Bekanntheit hatte es schon früh der Elektriker Mario Sepúlveda gebracht - der zweite gerettete Kumpel.
  • 0

HB SANTIAGO DE CHILE. In den vielen Videos aus der Tiefe trat er meist als eine Art Journalist auf, der durch die Sendung führte. Mit viel Humor und schneller Zunge berichtete er vom harten Leben in dem feucht-heißen Verlies in 700 Metern Tiefe. Seine Auftritte beendete er gern mit dem Spruch: "Ich gebe zurück in die Sendezentrale".

Sollte Sepúlveda nie wieder unter Tage arbeiten wollen, steht ihm deshalb möglicherweise eine andere Karriere offen. Zahlreiche TV- Kanäle wollten ihn bereits interviewen und in ihre Sendungen einladen. Sollte der Held der Tiefe seinen Witz und Humor auch über der Erde bewahren, stünde ihm wohl sogar eine Zukunft als Talkmaster im Fernsehen offen. Nach seiner Rettung zeigte er sich so energetisch, als sei er nicht fast 70 Tage unter der Erde eingesperrt gewesen. Er führte dabei wahre Freudentänze auf und boxte wie wild in die Luft.

Florencio Àvalos war dagegen in den vergangenen Wochen der Kumpel hinter der Videokamera - jetzt steht er selbst im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit: Der 31-Jährige wurde als erster der 33 Bergleute aus den Tiefen der San-José-Mine an die Oberfläche geholt. Der Chilene ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitete als Schichtführer unter Tage. Auch sein jüngere Bruder Renán gehört zu den Bergleuten, die am 5. August in fast 700 Metern Tiefe verschüttet wurden.

"Der Ältere hat immer den Jüngeren beschützt, und eigentlich hat er Renán zu der Arbeit in der Mine gebracht", sagt der Onkel der beiden Bergleute, Wilson Ávalos. Der Umgang mit der Kamera war Florencio schon vorher vertraut. Er habe schon immer gerne fotografiert, berichtete der Vater Alfonso. Und so drehte der 31- Jährige unter Tage die Filme für die Angehörigen, während sein Kollege und Leidensgefährte Mario Sepúlveda in den Botschaften aus der Tiefe als eloquenter Moderator auftrat.

Florencio Àvalos wird zwar als zurückhaltend beschrieben. Doch gab der glühende Fußballfan und Anhänger des Fußballclubs Universidad de Chile (Santiago) einmal unter Tage kurz die Bescheidenheit auf, als es darum ging, ein Autogramm-Trikot zu ergattern, das die chilenische Nationalelf den Kumpel hatte zukommen lassen.

Kommentare zu " Mario Sepúlveda: Der Held der Tiefe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%