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Massenpanik am Bahnhof: 100 Millionen Hindu-Pilger am Ganges

Zelte und Gläubige soweit das Auge reicht: Alle zwölf Jahre entsteht am Ganges für das Hindu-Festival Maha Kumbh Mela eine riesige Zeltstadt für Millionen Inder. Doch die Veranstaltung wurde überschattet.

Bis zu 100 Millionen Hindus baden derzeit beim Fest Maha Kumbh Mela im heiligen Fluss. Quelle: ap
Bis zu 100 Millionen Hindus baden derzeit beim Fest Maha Kumbh Mela im heiligen Fluss. Quelle: ap

Allahabad„Lang lebe Mutter Ganges“, murmelt Rupam Gupta, ehe sie ins Wasser steigt. In ihrem lilafarbenen Gewand watet sie durch die kalten Fluten, taucht unter, strahlt. „Ich fühle mich wie im Schoß meiner Mutter“, sagt sie. Auch ihre Freundin Richa Khare ist in den Ganges gestiegen. Die Pilger wollen sich in dem Fluss von Sünden reinigen. „Ich glaube jetzt, dass ich etwas erreicht habe im Leben.“ Bis zu 100 Millionen Hindus baden derzeit beim Fest Maha Kumbh Mela im heiligen Fluss und fühlen sich „wiedererwacht“ und „erleuchtet“. Andere sprechen von „Entspannung“ und „Belebung“.

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Vergessen sind in diesen Momenten die stunden- oder gar tagelangen Fahrten in überfüllten Zügen und über die holprigen Straßen Indiens. Für kurze Zeit haben die Menschen ihr meist ärmliches Leben in den Hütten und auf den Feldern hinter sich gelassen und sind auf die wichtigste Pilgerreise für Hindus gegangen. Sie kommen zusammen am Samgam, dem Zusammenfluss von Ganges, Yamuna und dem mythologischen Saraswati, zur weltgrößten Versammlung.

Indien

Gelenkt wird der Pilgerstrom von Polizisten wie Udham Singh Talan. Die ganzen 55 Tage des Festivals geht er an den Ufern auf und ab und bläst in seine Trillerpfeife, wenn die Gläubigen zu lange verweilen. Niemand darf ewig tauchen und beten, denn es kommen noch unzählige Gläubige nach ihm. „Die Vorbereitung war gut. Wir schaffen das schon“, meint der Unterkommissar zuversichtlich. Wird die Schlange der Menschen zu lang, lenken er und die mehr als 25 000 anderen Polizisten, 17 000 Paramilitärs und 10 000 Freiwilligen die Gläubigen in Gatter auf freien Feldern. Dort müssen sie, von Holzzäunen dirigiert, Slalom laufen.

Doch eines überschattete die Veranstaltung trotzdem: Zum Höhepunkt des Festivals am Sonntag, als mehr als 34 Millionen Menschen wieder nach Hause fahren wollten, kam es am Bahnhof zu einer Massenpanik. Mindestens zehn Menschen starben, mehr als ein Dutzend wurde verletzt. Trotz Sonderzügen ist die Infrastruktur der 1,1 Millionen-Stadt Allahabad nicht diesen Massen gewachsen, die das vielfache der Stadtbevölkerung erreicht.

Und so wurde aus dem Nichts für die Massen eine 19 Quadratkilometer große Zeltstadt gestampft. Händler verkaufen dort Töpfe und riesige Schöpfkellen, Säcke mit Reis und Heiligenbilder. In regelmäßigen Abständen stehen Krankenhäuser, Feuerwehren, Mobilfunkmasten, Wasserstationen. Ein Vergnügungspark lockt mit einem Riesenrad und einem künstlichen Berg voller Statuen von Hindu-Gottheiten.

Organisiert sind selbst die Orte für die heiligen Männer. Zehntausende Sadhus liegen, nach Sekten aufgeteilt, in ihren Zelten oder sitzen am Feuer und rauchen Marihuana. An den Haupttagen für die spirituelle Reinigung haben sie eine festgelegte Reihenfolge für ihre Rituale. Zuerst rennen die Naga Babas ins Wasser - nackt bis auf die Asche, mit der sie ihren Körper einreiben. „Wir haben Barrikaden für die Sadhus aufgestellt, damit sie sich nicht mischen“, erklärt Polizist Talan. Die für ihr aufbrausendes Temperament bekannten Heiligen würden sich sonst die Köpfe einschlagen, sagt er.

  • 10.02.2013, 21:16 UhrOHJEOHJE

    Heiliger Brimborius als ob es eine Meldung wert wäre wenn so etwas bei solch einer Massenveranstaltung mal passiert. Viel schlimmer finde ich da gewisse Rituale der Hindis gerade was Varanasi angeht. Die hygienischen Zustände am Ganges sind mit katastrophal noch milde ausgedrückt.

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