Max-Planck-Institut
Klimastudie zeichnet beängstigendes Szenario

Deutschland steht vor einem gravierenden Klimawechsel. Das hat das Max-Planck-Institut berechnet. Auch wenn das Datenmaterial noch nicht vollständig ausgewertet ist, klingt das von den Forschern gezeichnete Szenario beängstigend.

HB DESSAU. Die durchschnittliche Jahrestemperatur wird nach Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (Hamburg) bis zum Jahr 2100 um bis zu vier Grad Celsius höher liegen als Mitte des vorigen Jahrhunderts. „Das ist ein Sprung in der Temperatur, den wir jahrtausendelang nicht hatten“, sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, am Dienstag in Dessau. Die Behörde hatte die Studie in Auftrag gegeben. „Klimaveränderungen finden nicht nur in Grönland und der Arktis statt, sondern auch vor unserer Haustüre“, sagte Troge.

Die Sommer werden im Süden, Südwesten und Nordosten Deutschlands erheblich trockener. Landwirte müssen um ihre Ernteerträge fürchten. Die Gefahr von Waldbränden wächst angesichts der Dürreperioden. Die Binnenschifffahrt steht in Frage. Kühlwasser für Kernkraftwerke aus Flüssen könnte Mangelware werden. „Eine Prognose der Vegetationsänderungen ist schwierig, fest steht aber schon heute: Die Elbtalauen sind besonders gefährdet“, sagte Studienleiterin Daniela Jacob vom Max-Planck-Institut.

Auch Deutschland als Urlaubsland muss sich darauf einstellen. An der Küste wird die Strandkorbsaison verlängert, denn im Sommer wird es bis zu 25 Prozent weniger regnen. Dafür soll es im Winter bis zu 30 Prozent mehr Niederschlag geben. Die Temperatur steigt nach den Berechnungen an der Ostsee um 2,8 Grad, an der Nordsee um 2,5 Grad. „Das bedeutet nicht, dass in Hamburg Palmen wachsen“, sagte Jacob.

Veränderungen auch in den Alpen, obwohl sich die Niederschlagsmenge kaum ändern wird: Im deutschen Skigebiet Nummer eins müssen Seilbahnbetreiber und Hoteliers um ihre Kundschaft bangen, wenn 2100 nur halb so viel Schnee fällt wie heute. Gleichzeitig steigen die Temperaturen und lassen die Gletscher schneller als bisher schmelzen. Auch an der Westseite des Schwarzwaldes könnte der Regen abnehmen.

Mit dem so genannten Regionalmodell (REMO) gelang den Forschern erstmals eine Zoomaufnahme der Deutschlandkarte. Auf zehn mal zehn Kilometer genau sind die Berechnungen und erlauben später quasi für jedes Bundesland genaue Analysen. Zum Beispiel Sachsen-Anhalt: Im Winter steigt die Durchschnittstemperatur um bis zu vier Grad bei bis zu 25 Prozent mehr Niederschlägen, im Sommer um bis zu drei Grad bei etwa 10 Prozent weniger Regen. Mediterranes Klima? Steppen statt saftiger Wiesen? So genau mag das noch keiner der Experten sagen. UBA-Präsident Troge sagte nur ironisch: „Auch im Jahr 2100 wird die Rallye Paris-Dakar nicht in Sachsen-Anhalt stattfinden.“

Auch für die Volkswirtschaft hat der Klimawechsel drastische Folgen. Nach Angaben des UBA-Präsidenten könnten die Kosten bis 2050 auf jährlich 27 Milliarden Euro steigen, die Schäden eines ungebremsten Klimawandels könnten gar bis zu zehn Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung betragen. „Klimaschutz hat einen langen Bremsweg. Um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen abzufedern, müssen wir beginnen, uns anzupassen und zugleich mehr tun, und den Temperaturanstieg weltweit bis 2050 auf höchstens zwei Grad zu begrenzen“, sagte Troge.

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