Mehr als 10 Millionen Gäste übernachteten bis heute im „Rossija“
Ein Schandfleck verschwindet

Die Stadt Moskau will das sowjetisch-gigantische Hotel „Rossija“ abreißen.

HB MOSKAU. Bei so viel architektonischer Hässlichkeit stockt Moskau-Touristen bis heute der Atem: Wie eine endlose Wand aus Marmor und Glas erstreckt sich Europas größtes Hotel, das „Rossija“, mit seinen 3 170 Zimmern am Moskwa-Fluss entlang in Richtung Roter Platz.

Über einen Zeitraum von fast vier Jahrzehnten zählte die unmittelbare Nähe zum Kreml zu den wenigen Annehmlichkeiten des Hotels. Nun droht dem Herbergs-Monster das Ende. „Das ’Rossija’ wird abgerissen“, bestätigte der Moskauer Chefarchitekt Alexander Kusmin Anfang April der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“.

Das 1967 fertig gestellte „Rossija“ entstammt einer fernen, sowjetischen Zeit, in der Hotelbetten ebenso Mangelware waren wie ein Lächeln der Etagenfrauen. Zumindest den Betten-Notstand konnte das neue Hotel beheben. Mehr als 10 Millionen Gäste übernachteten bis heute im „Rossija“.

Diese Zahl sei nicht nur mit der günstigen Lage zu erklären, sagt der Generaldirektor des „Rossija“. „Wie ein wertvoller Schatz werden bei uns die besten Traditionen der russischen Gastfreundschaft bewahrt“, sagt Juri Alexejew. Vielen ausländischen Gästen blieben eher die Muffeligkeit des Personals und die Kakerlaken in den Badezimmern in Erinnerung.

Platz genug bot das Hotel: Die Flure des „Rossija“ erstrecken sich über eine Gesamtlänge von acht Kilometern. Zu Sowjetzeiten kursierte der Witz, von manchem Zimmer aus sei es näher zum Roten Platz als zum nächstgelegenen Frühstücksbuffet.

Im Februar hat Bürgermeister Juri Luschkow den Abriss mit der Begründung angekündigt, das „störende Gebäude“ müsse verschwinden. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.

Das „Rossija“ steht auf einem der teuersten Grundstücke Russlands. Der wirtschaftliche Druck ist enorm. In keiner europäischen Stadt wird so viel, so schnell und so schrill gebaut wie in Moskau. Die Stadt Moskau ist als Eigentümer zuversichtlich, in Kürze einen Investor für das Projekt nennen zu können. Mit dem Abriss verlieren viele Fernsehsender ihre Studios im Westflügel.

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