Mehr als 600 Gefangene befreit
Taliban stürmen Gefängnis in Kandahar

In der Nacht zum Samstag haben laut Behördenangaben rund 30 Taliban das größte Gefängnis in Südafghanistan angegriffen und mehr als 1 000 Gefangene befreit. Ziel der sehr gewalttätigen Befreiungsaktion waren etwa 400 in der Anstalt inhaftierte Taliban-Kämpfer, die nun wieder auf freiem Fuß sind.

Kandahar (AP) Taliban-Kämpfer haben bei einem Großangriff auf das größte Gefängnis in Südafghanistan fast alle 1 150 Gefangene befreit. Das teilte ein Polizeisprecher am Samstag in Kandahar mit. Mindestens neun Polizisten wurden bei dem Angriff getötet. Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff und teilten mit, sie hätten rund 400 Gesinnungsgenossen befreit.

„Alle Insassen sind geflohen. Da ist keiner mehr übrig“, sagte Wali Karsai, der Präsident des Provinzrats von Kandahar und Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Taliban-Sprecher Kari Jussef Ahmadi sagte, 30 Kämpfer und zwei Selbstmordattentäter hätten das Sarpossa-Gefängnis in Kandahar koordiniert angegriffen. Ziel sei gewesen, „unsere Taliban-Freunde zu befreien“. Karsai sagte, es seien viele „wichtige“ Taliban-Gefangene befreit worden, darunter viele Selbstmordattentäter, die von der Polizei kurz vor einem Anschlag gestellt worden waren.

Der Angriff erfolgte am späten Freitagabend gegen 21.30 Uhr Ortszeit. Zuerst explodierte ein mit Sprengstoff beladener Tanklaster beim Haupttor, dann bombte ein Selbstmordattentäter ein Loch in die rückwärtige Seite der Anstalt, wie Gefängnischef Abdul Kabir erklärte. Aufständische stürmten das Gefängnis. Offenbar gab es heftige Feuergefechte. Etwa 30 Minuten lang waren in der Stadt Explosionen zu hören, der Raketenbeschuss dauerte bis in die frühen Morgenstunden (Ortszeit). Die NATO-Truppen erklärten zunächst nur, sie wüssten, dass es Kämpfe gegeben habe.

Kandahar, die zweitgrößte Stadt Afghanistans, war früher eine Hochburg der Taliban. In den Provinzen im Süden Afghanistans kommt es immer wieder zu heftigen Gefechten zwischen NATO-Truppen und Kämpfern der Taliban. Einige Stunden nach dem Angriff schlugen in einem von ausländischen Truppen genutzten Stützpunkt in einem anderen Teil der Stadt mehrere Raketen ein, wie ein Behördenvertreter und mehrere Anwohner sagten. Es seien Sirenen zu hören. Das US-Militär hat im vergangenen Jahr mit Afghanistan vereinbart, alle afghanischen Gefangenen in US-Gewahrsam an die Behörden des Landes zu überstellen. Darunter befanden sich auch eine Reihe von mutmaßlichen Taliban-Kämpfern. Die Provinz Kandahar gilt als Hochburg der Taliban.

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