„Meine ersten 100 Westmark“
Was sich Ossis vom Begrüßungsgeld kauften

Die Maueröffungen hat Träume verwirklicht. Zum Beispiel die Barbie-Puppe, einen Mini-Rock, Jeans, Schallplatten oder das ersehnte Kassettenradio. Eine Ausstellung im südthüringischen Sonneberg zeigt die Schätze, die sich DDR-Bürger kurz nach dem Mauerfall von ihren 100 D-Mark Begrüßungsgeld kauften.

HB SONNEBERG. „Meine ersten 100 Westmark“ heißt das Projekt der Münchner Künstlerin Peggy Meinfelder, das sich zu einem ungewöhnlichen Puzzle einer atemberaubenden Zeit zusammensetzt. Welche Wünsche bewegten die Menschen damals, bei ihren ersten Schritten im marktwirtschaftlichen System? Welche Sehnsüchte? Die von Meinfelder gesammelten Relikte des Übergangs bringen die Erinnerung zurück.

Bananen fehlen selbstverständlich, auch wenn sie natürlich damals vom Begrüßungsgeld gekauft wurden. Ausgestellt sind 70 Gegenstände, die überlebt haben. Versehen jeweils mit einer Notiz zum Namen und Geburtsjahr des Käufers und mit Hinweis auf seine Motivation. Warum musste im Herbst 1989 gerade diese Sehnsucht gestillt werden? Der 24 Jahre alte Rainer R. wollte unbedingt eine Westjeans, die er „bis zum bitteren Ende“ trug. Für die sechs Jahre alte Katharina F. gab es zu Weihnachten 1989 eine Barbie-Puppe, die ihre Eltern von einem Teil des Begrüßungsgeldes kauften. Und für Horst G., damals 37, legte die ganze Familie zusammen für eine Bohrmaschine, die er noch heute benutzt.

„Der Klassiker ist das Kassettenradio“, berichtet Meinfelder. Gleich mehrfach hat sie solche Geräte erhalten, als sie vor zwei Jahren begann, bei Verwandten und Freunden nachzufragen, was übrig geblieben ist vom ersten Einkauf im Westen. Regina und Waldemar J. berichten von einem „völlig überteuertem Radio“, dass sie damals erstanden. „Wir kannten uns damals eben noch nicht so aus.“ Das vielleicht kurioseste Stück ist ein Ehering. Gesine S., beim Mauerfall gerade 20, kaufte ihn mit ihren Freund. „Die Ehe hat neun Jahre und elf Monate gehalten. Heute trage ich keinen Goldschmuck mehr“, schreibt sie.

„Die Gegenstände stammen aus einer Zeit des Übergangs, die durch den Wunsch nach dem Besitz eines bestimmten Produkts noch die alte Zeit repräsentiert, aber mit dem erworbenen Gegenstand schon das Neue kennzeichnet“, erläutert Meinfelder. Die heute 31-Jährige ist im DDR- Sperrgebiet unmittelbar an der Grenze zu Bayern aufgewachsen. Die gelernte Steinmetzin studierte an der Bauhaus-Uni in Weimar und der Akademie für Bildende Künste in München.

Gesammelt hat sie auch Äußerungen von ehemaligen DDR-Bürgern über ihren Umgang mit dem Westgeld: „Nur die wenigsten konnten sich nicht mehr erinnern, was sie damit gemacht haben. Die meisten haben sich einfach einen Wunsch erfüllt.“ Ihr persönliches Begrüßungsgeld hat sie damals als 14-Jährige in Coburg in ein Sweat-Shirt und Turnschuhe gesteckt. „Das Shirt hat später meine Schwester noch aufgetragen. Beides ist aber leider weg.“

Die Ausstellung „Meine ersten 100 Westmark“ ist vom 9. November bis zum 7. Januar 2007 in der Städtischen Galerie in Sonneberg zu sehen. Geöffnet ist die Galerie Dienstag bis Freitag von 14.00 bis 17.00 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 80 Abbildungen zum Preis von zwölf Euro.

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